Nur wenig Hilfe für Syriens Christen

Syrischer Bischof sucht Hilfe in Europa

AUGSBURG, 9. Januar 2014 (Vaticanista/PM).- Der syrische Erzbischof Silvanos Boutros Al-Nehme hat jüngst an „das christliche Gewissen in der Welt“ appelliert, um den Christen in seiner Heimat beizustehen. Als die Stadt Saddad islamistische Terroristen wüteten, seien insgesamt 3.000 Menschen als Geiseln gehalten worden. „Als wir an die Welt appellierten hörten uns nur ganz wenige und standen uns bei“, sagte er bei seinem Besuch in Augsburg. Der syrisch-orthodoxe Hirte für Homs und Hama unternahm einer Tour durch Europa, um Hilfe für die vom Bürgerkrieg in Syrien in Not geratenen Christen zu organisieren, und machte auch auf Einladung des Christlich-Europäischen Entwicklungswerkes für Syrien in der bayerisch-schwäbischen Stadt Halt.

In den Gesprächen kam der Erzbischof wiederholt auf das Schicksal der Stadt Saddad und das Massaker an den assyrischen Christen dort zu sprechen: „Die islamistischen Terroristen drangen am 21. Oktober in die Stadt und hielten sie eine Woche lang in Geisel“. Die Stadt Saddad mit ursprünglich mehr als 15.000 Einwohnern liegt etwa 160 Kilometer von Damaskus entfernt und es gibt dort 15 Kirchen und ein Kloster. Der überwiegende Teil gehört der syrisch-orthodoxen Kirche an. „Über tausend Familien flohen sofort aus der Stadt“ berichtete er weiter, „manche mussten acht Kilometer lang zu Fuß in die nächste Ortschaft fliehen, um sich zu retten.

Die anderen, darunter Kinder, Frauen und ältere Menschen, wurden eine Woche lang als menschliche Schutzschilde benutzt“. Innerhalb kurzer Zeit wurden in der Stadt systematisch Privathäuser, Geschäfte sowie Kirchen geplündert und öffentliche Gebäude der Verwaltung zerstört. Viele Menschen seien zu christlichen Märtyrern geworden. In Saddad fand eines der größten Massaker des Bürgerkrieges statt: 45 Menschen sind in einem Massengrab entdeckt worden – erdrosselt, erschossen und erstochen.

Nach der Rückeroberung durch Regierungstruppen kehrten viele Menschen zurück in die Stadt. „Etwa die Hälfte der Stadt wurde zerstört“, sagte der Erzbischof. Viele Häuser könnten nicht mehr wieder aufgebaut werden. Es fehle an Strom, Wasser und Kommunikation. Der Staat hat bereits damit zu beginnen, zumindest die öffentlichen Gebäude zu reparieren. Zur Zeit ist es nicht möglich, die Schulen wieder zu öffnen, deshalb haben es viele Familien bevorzugt, in den Fluchtorten zu bleiben, damit die Kinder dort zur Schule gehen können.

 

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