Kirche als Symbol der Einheit und der friedlichen Koexistenz

Bistum Regensburg unterstützt Katholiken in Myanmar

Von Michaela Koller

REGENSBURG, 16. Dezember 2014 (Vaticanista/ZENIT.org).- In Myanmar, das vor allem durch die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi (69) bekannt ist, vollzieht sich nach rund sechzigjähriger Militärherrschaft seit 2011 ein politischer, wirtschaftlicher und sozialer Wandel. Das Bistum Regensburg unterstützt dort seit 13 Jahren die Katholiken. Vor einigen Tagen ist der Generalvikar der bayerischen Diözese, Michael Fuchs, von einer Reise anlässlich des 500. Jubiläums der Kirche dort zurückgekehrt. Michaela Koller sprach mit ihm über die Rolle der Katholiken in dem mehrheitlich buddhistischen Land.

In allen Ethnien vertreten - 500 Jahre Katholische Kirche in Myanmar; Foto: Bistum Regensburg

In allen Ethnien vertreten - 500 Jahre Katholische Kirche in Myanmar; Foto: Bistum Regensburg

Vor 500 Jahren sind portugiesische Missionare in dem heutigen Gebiet von Myanmar gelandet. Sie waren als Vertreter der Partnerdiözese Regensburg mit bei den Jubiläumsfeierlichkeiten dabei. Wie wurde diese begangen?

Msgr. Michael Fuchs: Das Jubiläum war eigentlich schon im Jahr 2011. Im Jahr 1511 sind die ersten Katholiken nach Myanmar gekommen. Vor drei Jahren war aber aus politischen Gründen die Feier nicht möglich. Nachdem es inzwischen eine leichte Öffnung der politischen Situation gegeben hat und sich Tendenzen zur Demokratisierung zeigen, hat die Kirche nun in diesem Jahr die Feierlichkeiten begangen, die in einem Festwochenende gegipfelt haben. Sie endeten mit einer heiligen Messe in einem Fußballstadion mit 80.000 Katholiken aus Myanmar und darüber hinaus. Man stelle sich vor: Dies bei 700.000 Katholiken in diesem überwiegend buddhistischen Land.

Gleichsam jeder zehnte Katholik war bei dieser Messe, teilweise nach Anreisen bis zu drei Tagen. Dieser Umstand, aber auch die Festlichkeit und große Begeisterung haben mich sehr beeindruckt. Am Tag zuvor waren in der Kathedrale von Yangon Stunden der ewigen Anbetung angesetzt. Die Diözesen wechselten dabei ihre Zuständigkeit für die Gestaltung ab. Ich habe auch eine Stunde dort besucht und sah dabei, wie übervoll die Kathedrale war. Dort waren auch die verschiedenen Ethnien vertreten. Man spricht von 135 Volksgruppen mit verschiedenen Sprachen oder Dialekten. Insgesamt war es ein großes Zeugnis der Einheit und des Aufbruchs für die Kirche in Myanmar.

Wie wurde das Jubiläum seitens der mehrheitlich buddhistischen Gesellschaft wahrgenommen?

Msgr. Michael Fuchs: Es war überraschend, wie stark Nicht-Katholiken an dieser Sonntagsmesse Anteil nahmen; ich denke etwa an den Minister für religiöse Angelegenheiten, Soe Win, oder auch an Politiker, die sonst nichts mit der katholischen Kirche zu tun haben, denke, und auch an die Vertreter anderer Religionsgemeinschaften wie etwa der sehr bedeutende buddhistische Mönch Sittagu Sayadaw, der auch im Altarraum Platz genommen hat. Mir wurde berichtet, dass dieses Jubiläum auch eine große Symbolwirkung für die ganze Gesellschaft hatte.

Von politischer Seite wurde mit Verwunderung aufgenommen, dass sich viele Tausend Bürger in dem Land ohne Streit und ohne kriegerische Auseinandersetzung versammeln können. Man sagte, es sei die größte Versammlung in Myanmar gewesen. Die katholische Kirche wird dort auch als Symbol für die Einheit und friedliche Koexistenz gesehen. Katholiken gibt es in jedem Stamm und jeder Sprachgruppe. Und sie finden zusammen in dem einen Glauben. Das ist auch interessant für die Politiker, die nach Wegen eines friedlichen Zusammenwachsens suchen.

Welche Ausstrahlungskraft hat die kleine Gemeinschaft der Katholiken in Myanmar, die zwischen ein und zwei Prozent ausmacht?

Msgr. Michael Fuchs: Es gibt dort so viele Katholiken wie es buddhistische Mönche gibt. Es ist interessant zu sehen, wie die Kirche schon in der Diktatur versucht hat, wichtige Aufgaben zu erfüllen. Sämtliche Schulen in ihrer Trägerschaft wurden zwar konfisziert, etwa 400 im Jahr 1948. Dennoch ist es gelungen, kleinere schulische Einrichtungen und Waisenhäuser zu betreiben, die vom Staat schließlich geduldet wurden, sowie für die Kranken und Notleidenden da zu sein. Als der Wirbelsturm Nargis über das Irrawaddy-Delta tobte, war die Caritas in Myanmar eine der ersten Organisationen, die eine Hilfsstruktur aufbauen konnte. Sie zeigte dabei, dass sie ohne Unterschiede in der Religion oder in der ethnischen Herkunft hilft.

Sie erwähnten ja schon den Wandel durch politische Lockerungen. Wie wirkt sich das auf die Rolle der Christen aus?

Msgr. Michael Fuchs: Mit den demokratischen Lockerungen versucht nun auch die Kirche wieder Fuß zu fasse. Sie bietet sich als Vermittler an, versucht wieder Schulen aufzubauen. Erzbischof Charles Bo von Yangon hat mehrfach daran appelliert, doch die konfiszierten Schulen wieder zurück zu geben. Allerdings ist das Problem nicht so sehr der Mangel an Gebäuden, sondern an qualifiziertem Personal.

Wie unterstützt Ihre Diözese die Kirche vor Ort?

Msgr. Michael Fuchs: Das Bistum Regensburg unterstützt seit 2001 über das Stipendienprogramm des Katholischen Akademischen Ausländer-Dienstes (KAAD) junge Studenten aus Myanmar an der Asumption University in Bangkok, einer katholischen Universität. Sie kommen nach dem Studium zurück und haben sich verpflichtet, drei freiwillige Jahre für die katholische Kirche in Myanmar zu leisten und anschließend in ihre Berufe zu gehen, die sie vorher studiert haben. Einige opfern danach noch viel freie Zeit in der Kirche. Andere sind dort fest angestellt. Wir kennen auch einige, die bei der Caritas beschäftigt sind, und so ihre Kompetenz aus dem Studium einbringen. Das ist ein kleiner Beitrag unserer Diözese, den wir jetzt um weitere fünf Jahre verlängert haben, um die Katholiken dort zu stärken.

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