Rückenwind für Bildungsengagement der Christen

Friedensnobelpreisträgerin spornt mit Ambitionen junge Frauen in Pakistan an

Von Michaela Koller

OSLO/ KARACHI, 16. Dezember 2014 (Vaticanista/ZENIT.org).- Große Ambitionen für die Entwicklung ihrer Heimat durch Bildung hat die bislang jüngste Friedensnobelpreisträgerin der Geschichte, Malala Yousafzai. Die 17-jährige Pakistanerin nahm am Mittwoch die hohe Auszeichnung im Rathaus von Oslo entgegen. Am Rande der Preisverleihung schilderte sie in einem Interview, wie sie sich durch die ermordete zweimalige Ministerpräsidentin Benazir Bhutto angespornt sehe, ihrem Land zu dienen. „Bis es ein entwickeltes Land ist und ich jedes Kind eine Ausbildung erhalten sehe“, sagte Malala. Sie kann sich ein Engagement in der Politik gut vorstellen und wolle sich gar bis ins Amt einer Ministerpräsidentin hochkämpfen.

Mit ihrem Eintreten für allgemeine Bildung steht die Muslima auch an der Seite der Christen, die in Pakistan im Bildungssektor überproportional große Verantwortung übernommen haben. Viele Mädchen fühlten sich ermuntert, nun auch Führung zu übernehmen wie Malala, sagte der pakistanische Caritas-Geschäftsführer Amjad Gulzar in einem Gespräch mit AsiaNews, dem Informationsdienst des Päpstlichen Institut für die auswärtigen Missionen (PIME). Die Mädchen seien entschlossen, vor allem zugunsten der Bildung ihrem Land im selben Geist zu dienen, sagte er weiter. Nach der Ankündigung der Verleihung im Oktober sagte der Direktor der Caritas in Pakistan Erzbischof Joseph Coutts von Karachi, sein Heimatland sei über die diesjährige Verleihung des Friedensnobelpreises an die Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai mit Stolz erfüllt, weil es eine andere Seite Pakistans zeige, „jenseits des Terrorismus“.

Noch immer erlebten besonders Mädchen und Frauen enorme Benachteiligung in der Gesellschaft, wenn es auch einzelne Fälle von hohen weiblichen Verantwortungsträgern gebe. „Wir sind wirklich einerseits ein Land, das in dieser Hinsicht in der modernen Welt ankommt. Aber zugleich erleben wir sehr viele Fanatiker, Anhänger eines Taliban-Islam, die uns in eine sehr rigide Gesellschaft zurückführen möchten.“

Malala machte ihre eigenen Erfahrungen mit den Islamisten, die in ihrer Heimat an Stärke zunehmen. Bereits mit elf Jahren verurteilte sie in einem Webblog auf der Internetpräsenz des britischen Senders BBC islamistische Angriffe gegen Schulen für Mädchen und Bildungseinrichtungen für Frauen sowie Attacken auf Schülerinnen. Am 9. Oktober 2012 wurde sie selbst Opfer eines Attentats von Taliban-Extremisten, die auf ihren Schulbus schossen, als sie nach dem Vormittagsunterricht auf dem Weg nach Hause war.

„Bildung ist der einzige Weg, das Land zu verändern“, sagte Caritas-Chef Amjad Gulzar weiter im Gespräch mit AsiaNews. Die Katholische Kirche habe eine führende Rolle auf diesem Gebiet gespielt, da deren höchste Vertreter überzeugt sind, allein Schulen könnten Wachstum und Entwicklung in Pakistan nachhaltig fördern. Die Bischöfe vor Ort hätten viele Initiativen und Kampagnen in diesem Feld finanziert, auf allen Ebenen. Jede Diözese habe dazu ein eigenes Komitee eingerichtet. Für die christliche Minderheit sei Bildung noch wichtiger, die allein dadurch, dass sie möglichst früh im Leben zum Bücherlesen kämen, den notwendigen Vorsprung erzielten, um sich behaupten zu können. An der nordwestlichen Grenze, in jenen Gebieten, die unter Kontrolle der Taliban stehen, wurden Hunderte von Schulen, einschließlich der christlichen, zwangsweise geschlossen. Zehntausende von jungen Leuten sind davon betroffen. Unter den christlichen Einrichtungen war etwa auch ein von singhalesischen (aus Sri Lanka stammenden) Karmelitinnen geführtes Institut, das ihr Programm für Frauen nach anderthalb Jahren aufgrund von Drohungen einstellen mussten.

Die christliche Minderheit in dem islamischen Land macht gerade einmal zwei Prozent aus, meist Nachfahren von kastenlosen Hindus, die Mitte des 19. Jahrhunderts zum Christentum konvertierten und heute noch nicht zu den oberen Gesellschaftsschichten gehören. Durch ihr Engagement im Bildungs- und Gesundheitswesen, gerade auch der katholischen Kirche und durch die Unterstützung von Hilfswerken, reiche die Präsenz, die sichtbar sei, viel weiter, betonte auch Erzbischof Coutts schon vor einigen Wochen im Gespräch mit deutschen Journalisten.

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