„Taliban zerstören unsere Zukunft“

Reaktionen auf das Blutbad in Peshawar

Von Michaela Koller

KARACHI/ROM, 18. Dezember 2014 (Vaticanista/ZENIT.org).- Papst Franziskus hat sich während der Generalaudienz am Mittwoch bestürzt zu den jüngsten islamistischen Massakern geäußert. „Jetzt wollen wir einen Augenblick lang schweigen und dann möchte ich, mit einem Vaterunser, ein Gebet mit euch sprechen, für die Opfer der unmenschlichen Terrorakte, die in den vergangenen Tagen in Australien, in Pakistan und im Jemen begangen wurden. Der Herr nehme die Verstorbenen in seinem Frieden auf, tröste die Hinterbliebenen und bekehre die Herzen der Gewalttätigen, die nicht einmal vor Kindern halt machen“, betete er.

In der pakistanischen Provinzhauptstadt Peshawar ist die Zahl der Opfer nach dem Massaker auf der öffentlichen Schule auf 141 angestiegen, darunter 132 Kinder. Weitere 120 Schüler und elf Erwachsene wurden bei dem Feuersturm durch sieben Bewaffnete Talibankämpfer verletzt. Beobachtern zufolge gab es keinerlei Anzeichen für Pläne, Geiseln zu nehmen. Der katholische Informationsdienst UCANews, der aus Asien berichtet, zitiert den Armeesprecher Generalmajor Asim Bajwa mit den Worten: „Ihre einzige Absicht war, unschuldige Kinder zu töten.“

Alle Angreifer trugen Militärangaben zufolge zudem Sprengstoffwesten; einer von ihnen sprengte sich schließlich in die Luft. Die bewaffnete Auseinandersetzung mit dem Militär zog sich acht Stunden lang hin. Die pakistanische Talibangruppe TTP bekannte sich zu dem Blutbad, als Racheakt für eine Militäroffensive. Der pakistanische Premierminister Nawaz Sharif rief eine dreitägige nationale Trauer aus und berief eine Notstandssitzung aller Parteispitzen für Mittwoch in Peshawar ein. „Solche feigen Akte werden uns nicht von der Entschlossenheit abhalten, den Terrorismus zu beenden. Die Operation wird bis zur Auslöschung des letzten Terroristen anhalten“, kündigte Sharif an. Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai bekannte, ihr Herz sei durch diesen sinnlosen und kaltblütigen Terrorakt gebrochen. „Ich, zusammen mit Millionen anderen auf der ganzen Welt, trauern um diese Kinder, meine Brüder und Schwestern, aber wir werden uns niemals geschlagen geben“, sagte die 17-Jährige.

Ein Miteinander, das ein Land zusammenschmiedet, und die Rückkehr zur Menschlichkeit forderte der Geschäftsführer der bischöflichen Justitia-et-Pax-Kommission in Pakistan, Cecil Shane Chaudhry. „Wir müssen der Gewalt und dem Terrorismus eine Botschaft der Einheit gegenüberstellen, die nicht nur von der Regierung, sondern von jedem pakistanischen Bürger ausgeht”, wird er im Informationsdienst Fides zitiert.

Die Gemeinschaft Sant’Egidio hat in Pakistan sogar „Schulen des Friedens“ eingerichtet, an denen versucht wird, die junge Generation zu Dialog, Freundschaft und zum Zusammenleben zu erziehen. „Stattdessen wurde die Heiligkeit der Schule in diesem Fall geschändet und in den schwächsten und schutzlosesten Personen die Menschlichkeit ausgelöscht“, beklagte Marco Impagliazzo, Präsident der Gemeinschaft in einer Erklärung. Ein Attentat gegen die Kinder richte sich gegen die Zukunft der Menschen. Rache als Begründung für die Bluttat übersteige jede Vorstellung von Unmenschlichkeit. Impagliazzo befürchtet eine weitere Eskalation der Gewalt „ohne absehbares Ende“. Die weltweite Empörung sei aber nicht genug. Er ermahnte „Regierungen und internationale Organisationen“, die am Konflikt beteiligt seien, zu verantwortungsbewusstem politischen Handeln. „Die Zivilgesellschaft und die großen Religionen müssen fordern, dass die Waffen niedergelegt werden und der Dialog wieder aufgenommen wird.“

„Mit ihrer grausamen Tat zerstören die Taliban unsere Zukunft“, sagte Sabina Rifat aus Lahore. Rifat ist Projektpartnerin des Internationalen Katholischen Missionswerkes Missio und setzt sich in Pakistan mit ihrer Organisation WAKE „Women and Kids Education“ für die Rechte von Frauen und Kindern ein. Missio in München hatte im Oktober zum „Sonntag der Weltmission“, der größten Solidaritätsaktion der Katholiken weltweit, zahlreiche Besucher aus Pakistan zu Gast. Das südasiatische Land stand im Mittelpunkt des Weltmissionsmonats.

„Gerade durch den engen Kontakt mit unseren Partnern in Pakistan fühlen wir uns mit dem Schicksal der Menschen in Peschawar sehr verbunden“, betonte der Präsident des Werks Msgr. Wolfgang Huber. „In Gedanken sind wir bei den Opfern und deren Familien. Ihnen gilt unser Gebet und unsere Sorge.“

In der jüngsten Vergangenheit ereigneten sich in Peshawar eine Reihe blutiger Attacken gegen Moscheen und Kirchen. Viele Menschen erinnern sich noch an das Massaker vom 22. September vorigen Jahres in der anglikanischen Allerheiligen-Kirche, als zwei Selbstmordattentäter sich in unmittelbarer Nähe in die Luft sprengten und damit 140 Menschen in den Tod rissen sowie weitere 161 verletzten.

Im vergangenen Januar traf eine Bombe eine Moschee während der Gebetszeit für Frieden und friedliches interreligiöses Zusammenleben, was weitere Dutzende Menschen tötete oder verletzte. In Pakistan leben 180 Millionen Menschen, davon sind 97 Prozent Muslime. Demnach ist es das zweitgrößte islamische Land nach Indonesien. Rund 80 Prozent der Muslime sind Sunniten, 20 Prozent Schiiten. Die Christen machen ungefähr 1,6 Prozent der Bevölkerung aus. Seit 2007 sind bereits 6.800 Menschen zu Opfern von Angriffen auf zivile Ziele durch den Taliban-Terror geworden.

 

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