„Alles Menschliche hat einen Platz in Gott“

Ein Geniesserkochbuch für Leib und Seele

Von Michaela Koller

PASSAU, 25. Dezember 2014 (Vaticanista/ZENIT).- Endlich ist Stille eingekehrt. Die Weihnachtspost ist versandt, die Geschenke sind besorgt, die Plätzchen gebacken und am Weihnachtsbaum glänzen bunte Kugeln und die Lichter funkeln. Jetzt dauert es nicht mehr lang, bis sich die Gläubigen um die Krippen versammeln. Wochen der Vorbereitung liegen hinter ihnen. „Da steckt Liebe zum Detail drin, die zwar unscheinbar ist, aber doch das Ganze von innen her beseelt“, schreibt der Passauer Regens Franz Haringer in einem Lebensimpuls zur Adventszeit, erschienen im Kochbuch aus seinem Priesterseminar.

Vielleicht sei die „Liebe zum Detail“ sogar ein anderes Wort für das, worum es im Advent und an Weihnachten gehe, heißt es da weiter. Mit viel Liebe zum Detail habe sich Gott über die Jahrhunderte hinweg dem Menschen immer mehr gezeigt, bis er schließlich selbst Mensch wurde. „Gott kennt und liebt den Menschen bis ins Detail“, schreibt der Leiter des Priesterseminars St. Stephan weiter. Beim Menschen beginnt die Detailliebe mit der Wertschätzung der Gaben der Natur, um deren liebevolle Zubereitung es in dem Buch für Leib und Seele geht.

Darin erinnert Haringer daran, dass es ja die Früchte der Erde und des Weinstocks seien, die Jesus zu Orten seiner Anwesenheit erwählt habe. Schon allein der Name des Geburtsortes verweist darauf: Bethlehem, übersetzt „Haus des Brotes“. Weihnachten ist aber besonders das Fest der süßen Versuchungen, für den Autor das Symbol dafür, dass mit der Menschwerdung Gottes der ganzen Schöpfung die Bitterkeit von der Wurzel her entzogen sei. Zeit ist es, die „Süße des Lebens“ und die „Schönheit der irdischen Gaben“ aufrichtig zu genießen. Denn alles Menschliche habe einen Platz in Gott. Erst recht an Weihnachten geht die Liebe durch den Magen.

Gerade die Rezepte für Zuckergebäck und Süßspeisen beweisen in dem besinnlichen und außerordentlich gelungenen Band, für dessen genießerischen Teil Mitautorin Maria Hager von der Küchenleitung verantwortlich ist, kreative Raffinesse: Ob für die Kokospraline „Wintertraum“, das Marzipankonfekt mit Aprikosen oder die Champagnerplätzchen. Auf den süßen Tellern am Gabentisch empfehlen sich zudem Dominosteine sowie Kokoswürfel, die wie die ersteren Leckereien dem mit der Farbe Gold gekennzeichneten Abschnitt „Ein Fest liebevoll feiern“ entnommen sind. Es bedarf etwas Zeit, Geduld und Geschick, sie zuzubereiten. Im Kapitel „Jeden Tag bewusst leben“ finden sich weitere süße Anleitungen, die auch für in der Kunst des Kochens Ungeübte leicht zu bewerkstelligen sind.

Ein Favorit der Verfasserin dieses Beitrags darunter ist der Apfelschnee: Äpfelchen werden dazu weich gekocht, püriert und mit Vanillezucker, Zimt und Zucker abgeschmeckt, bevor nach dem Abkühlen die steife Sahne locker untergehoben wird. „Einfach himmlisch“ – der Titel des Buchs – kommt der Geniesserin beim Auslöffeln der Dessertschale in den Sinn. Kochanleitungen, die sich auch an Anfänger richten, kommen ohne ein paar Klassiker nicht aus: Zu Weihnachten paßt auch das Rezept für die Martinsgans noch einmal, zusammen mit den Kartoffelknödeln im Festtagsabschnitt und kombiniert mit Apfelblaukraut aus dem Kapitel für jeden Tag.

Als leichte Abwechslung in diesen Tagen der reichhaltigen Kost ist der süß-saure Reissalat mit Putenschinken, Mandarinen und Curry zu nennen. Das Rezept ist dem dritten Abschnitt unter dem Titel „Das Einfache neu schmecken“ zu entnehmen.Diesen durfte die Verfasserin dieses Beitrags selbst schon als Gast im Passauer Priesterseminar kosten. Bei dieser und einer weiteren Gelegenheit konnte sie sich von der Authentizität des gesamten Kochbuchinhalts überzeugen.

Das Buch ist nach dem Kirchenjahreskreis aufgeteilt. „Die Gerichte richten sich nach der Jahreszeit und ich habe versucht, in einigen Lebensimpulsen dieser Sprache und Symbolik nachzugehen“, erklärt Haringer im Interview. Mitautorin Maria Hager hat auch für die wärmeren Jahreszeiten eine reiche Auswahl einfach zuzubereitender sowie bekömmlicher Gerichte in ihre Anleitungen aufgenommen. Selbst für Geübte enthalten diese manch raffinierte Überraschung, wie die Verfeinerung der Pfefferrahmsauce zu den Schnitzeln mit Weißwein oder die Currynote zum Fitnesssalat.

Die Idee zum Buch entwickelte sich aus einem Kochkurs für die Seminaristen. Auf die Frage, warum es sinnvoll sei, Priesteramtskandidaten die Freude am Kochen beizubringen, erklärt Regens Haringer: „Sie sollten ein Gespür dafür bekommen, dass Essen und Kochen nicht etwas Beiläufiges sind, sondern auch eine Kunst, in die man viel Liebe investiert.“ So könnten sie mit allen Sinnen das Essen im Hause geniessen. Die Hauswirtschaftsleitung legte Wert darauf, regionale, saisonale und hochwertige Zutaten zu verwenden und dafür das Bewußtsein der Seminaristen zu schärfen. „Natürlich gibt es den praktischen Sinn: Dass man schnelle Gerichte findet, sowohl für festliche Anlässe als auch für einfache Zeiten“, fährt er fort.

Während unseres Gesprächs führt der Regens durchs Haus. Die Autorin läßt sich auch die Küche zeigen: Außergewöhnlich lichtdurchflutet ist an diesem Tag der Hauswirschaftsbereich, mitten darin steht der riesige Gasherd mit Blick auf ein hölzernes Kruzifix an der Wand. Das Buch, das Geheimnisse dieser Küche preisgibt, richte sich aber nicht nur an katholische Genießer. „Es ist für jeden Menschen doch interessant, die Jahreszeiten nicht nur vorbeifließen zu sehen, sondern auch die Sprache der Natur zu beachten“, betont Haringer. Er wünsche sich, dass Menschen, die achtsam und bewusst essen und das Leben genießen, in diesem Buch Inspirationen finden würden.

„Es ist unser Anliegen, dass die Leser mit allen Sinnen auf die Natur, die Welt und die Schöpfung zugehen“, sagt er weiter. Die heiligste Handlung sei, miteinander zu essen und zu trinken in der Eucharistie. „Unser Glaube ist auch sehr sinnfällig, durch viele Symbole, Farben und Düfte, durch Berühren in der Liturgie.“ Somit möchte er auch, dass das gemeinsame Mahl im Speisesaal kultiviert und stilvoll sei, so dass die Priesteramtskandidaten lernten, wie sie ihre Sinne schärfen, geistlich und konkret im miteinander Essen und im Teilen. Oder wie der Regens doch im Vorwort bemerkt: „Kult und kultivierter Lebensstil gehören zusammen“. Kürzlich sorgte Bischof Stefan Oster von Passau für Schlagzeilen, weil er vom Priesterseminar in eine eigene WG gezogen ist. Man kann sich vorstellen, dass es ihm bald so ergangen sein wird, wie manchem der Seminaristen, die nach einem Jahr Propädeutikum dort ausziehen müssen: Ihnen fehlt die Kunst der Küche. Allen bleibt das sehr zu empfehlende „Genießerkochbuch für Leib und Seele“.

[Maria Hager, Franz Haringer. Einfach himmlisch. Das Genießerkochbuch für Leib und Seele aus dem Passauer Priesterseminar. Verlag Passauer Bistumsblatt, 2013, 226 Seiten]

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