Erzbischof Charles Maung Bo – Burmas erster Kardinal

Künftiger Purpurträger setzt sich für Versöhnung ein

Von Michaela Koller

ROM, 8. Januar 2015 (Vaticanista/ZENIT.org).- Das lange Zeit politisch isolierte Burma (Myanmar) bekommt erstmals in der Geschichte einen Kardinal. Der Erzbischof von Rangun (Yangon), Charles Maung Bo, ist einer der 20 von Papst Franziskus neu ernannten Purpurträger. Seine bevorstehende Erhebung wurde mit großer Erwartung seitens der kleinen Kirche in dem mehrheitlich buddhistischen Land aufgenommen. Mit 66 Jahren wird er unter den 125 sein, die jünger als 80 Jahre alt sind und damit den nächsten Papst wählen könnten. Das Kardinalskollegium umfasst nun 228 Mitglieder.

Copyright: Ferdinand Seizmair

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Gegenüber AsiaNews, dem Informationsdienst des Päpstlichen Instituts für die auswärtigen Missionen, sagte der Generalsekretär der katholischen Bischofskonferenz von Burma, Maurice Nyunt Wai: „Ich sehe einen Zusammenhang zwischen der neuen Öffnung des Landes und der Ernennung eines burmesischen Kardinals.“ Es herrscht nun generell Meinungs- und Pressefreiheit und viele Menschen in Myanmar schöpfen Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Die Ernennung bedeutet für die Katholiken ein weiteres Zeichen für eine positive Entwicklung: Sie könnte den Weg für die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl ebnen. Erst kürzlich feierte die Kirche 500 Jahre katholischen Glauben in Burma nach. Der Geistliche bezeichnete es als Willkommensgeschenk für die Katholiken seines Landes.

 

Copyright: Myanmar Church Review

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Die Kirche setzt nun auch große Hoffnung auf die Stärkung des Friedens zwischen der Regierung und den verschiedenen ethnischen Gruppen, zwischen denen die Katholiken ausgleichend wirken; Erzbischof Bo arbeitete bereits mit verschiedenen Vertretern von Minderheiten zusammen und kennt aufgrund seiner Biographie gleich mehrere Diözesen des Landes intensiv. Am 29. Oktober 1948 wurde er in einem burmesischen Dorf namens Monhla, einem der ersten von Portugiesen gegründeten christlichen Dörfern Myanmars geboren. Im April 1976 erhielt der Salesianer Don Boscos die Priesterweihe und im Dezember 1990 wurde er Bischof von Lashio im Norden des Landes. Er diente auch als Bischof in Pathein, zwei Stunden westlich von der Hauptstadt gelegen. Seit Juni 2003 ist er Oberhirte der Erzdiözese Rangun. Kurz nach seiner Ernennung rief Erzbischof Bo zu einem Ende der interreligiösen Konflikte in Burma auf.

„Wenn religiöse Führer Einheit demonstrieren, werden ihre Anhänger allmählich auch mehr Verständnis füreinander gewinnen und ich denke, die Gewalt wird dann zurückgehen“, sagte er der Nachrichtenagentur AFP in Yangon. Bo zielt auf ein starkes Engagement zugunsten der Stabilität in den Staaten Rakhine und Kachin ab, wo zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen Unruhe herrscht. Der westliche Bundesstaat Rakhine wurde von einer Welle religiös begründeter Gewalt zwischen Buddhisten und muslimischen Rohingya erschüttert. In jeder Religion gebe es einige Extremisten, betonte Erzbischof Bo einmal im Interview. „Ebenfalls in Myanmar haben wir einige unter den Buddhisten, darunter den Mönch Ashin Wirathu aus dem Kloster Maseyein in Mandalay und noch andere, aber sehr wenige, die meist wenig gebildet sind.“ Es seien aber Bemühungen da, die Schwierigkeiten zu überwinden.

Erzbischof Charles Bo pflegt eine besondere Freundschaft zur burmesischen Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi, deren Leben 2011 Luc Besson unter dem Titel „The Lady“ verfilmte. Sie kam eigens zur Hundertjahr-Feier in seine Sankt-Marien-Kathedrale im Dezember 2011. In einem Gespräch im Jahr 2013 erinnerte er sich daran, wie der Kontakt zustande kam. Im Jahr 1994 habe er zwei Ordensfrauen nach Oxford geschickt, damit sie dort Englisch lernen. Eines Tages erhielt er einen Anruf von Michael Aris, dem Ehemann von Aung San Suu Kyi, der dort Professor war. „Er schlug vor, die beiden Schwestern in sein Haus aufzunehmen.“ Der inzwischen verstorbene Aris war damals bereits schwer krank und die beiden konnten dort helfen. Die Schwestern wurden wohl beim Betreten und Verlassen des Hauses von den burmesischen Behörden beobachtet. So wurden sie nach einem Jahr zurückbeordert. „Bei ihrer Rückkehr durchsuchte sie der Geheimdienst gründlich nach kompromittierendem Material gegen Aung San Suu Kyi“, berichtete er weiter.

Seit dieser Zeit besteht ein enger Kontakt zur Familie und zu Aung San Suu Kyi, der auch seit ihrer Freilassung noch andauert. Suu Kyi ist Buddhistin; ihr Ehemann war katholisch getauft. Aung San Suu Kyi ist in einer katholischen Einrichtung erzogen worden. „Ich habe auch eine Tante von ihr getauft. Und im Jahr 1988 ließ sich kurz vor ihrem Tod auch Aung San Suu Kyis Mutter von einem katholischen Priester taufen“, berichtete der Erzbischof.

In Deutschland kennt Erzbischof Bo schon langjährig Angela Jacobi von der Dr. Michael und Angela Jacobi Stiftung, die Projekte für Kinder in Burma unterstützt und dem „Haus des Stiftens“ der Salesianer angeschlossen ist. „Erzbischof Bo hat stets ein eindrückliches Zeugnis abgelegt und in der Zeit ihres Hausarrestes Aung San Suu Kyi besucht.“

 

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