Papst empfängt Yeziden-Vertreter

Zehntausende verbringen Winter in Angst und Kälte

Von Michaela Koller

ROM, 11. JANUAR 2015 (Vaticanista/ZENIT.org).- Papst Franziskus hat am Donnerstag eine Delegation der Weltgemeinschaft der Yeziden, angeführt vom Oberhaupt der Yeziden, Tahsin Said Ali Beg, und deren oberster geistlicher Repräsentant, „Baba Sheikh“, Skeikh Kato, empfangen. Beide kommen aus der Region Irakisch-Kurdistan und vertreten weltweit anderthalb Millionen Yeziden, die auch in der Türkei, in Georgien und Armenien sowie Ländern der Diaspora leben. Zu der Delegation gehörten auch drei weitere Vertreter aus dem Nordirak, Georgien und aus der Diaspora in Deutschland.

Sie dankten während der Begegnung in der Privatbibliothek des Apostolischen Palastes dem Pontifex als „Vater der Armen“ für seine Unterstützung in dieser Zeit der Verfolgung und des Leids. Die Delegation informierte den Papst über die Situation von rund 5.000 Frauen der Yeziden, die vom Islamischen Staat (IS) versklavt wurden. In der Begegnung wurden auch die guten Beziehungen zwischen Yeziden und Christen behandelt und die gegenseitige Solidarität betont.

Papst Franziskus versicherte der Abordnung seine geistliche Nähe und Unterstützung in diesen schwierigen Zeiten. Er verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, dass es bald möglich wäre, Gerechtigkeit wiederherzustellen, sowie Bedingungen für ein freies und friedliches Leben der Yeziden, ebenso für andere Minderheiten, die Ziel von Diskriminierung und Gewalt sind.

Zu den Forderungen der Yeziden zählt die Selbstverwaltung innerhalb der Region Kurdistan neben den drei kurdischen Provinzen, mit eigener Polizei und eigenem Haushalt. Auf diese Weise möchten sie sich vor weiteren Vertreibungen und Morden schützen. IS-Extremisten brachten Anfang August einige Ortschaften der Yeziden im Sinjar unter ihre Kontrolle. Bis zu 350.000 flohen, nachdem die islamischen Kämpfer tief in ihr Siedlungsgebiet mordend vorgedrungen waren. Rund 300.000 Angehörige dieser monotheistischen kurdischen Religionsgemeinschaft lebten Angaben der Gesellschaft für bedrohte Völker (Göttingen) zufolge in Siedlungsgebieten in den Sinjar-Bergen und der Ninive-Ebene; 120.000 sind über Syrien geflohen, wo einige Zehntausende in Flüchtlingslagern aufgenommen wurden. Andere gelangten bis in die Türkei. Die meisten Yeziden sind aktuell in Irakisch-Kurdistan untergebracht.

Die Mehrheit unter ihnen floh mit dem, was sie auf dem Leib trug; sie waren im Sommer der sengenden Sonne ausgesetzt, wie jetzt im Winter Kälte und Schnee. Die radikalislamischen Kämpfer, die sie als „Teufelsanbeter“ beschimpfen, verfolgten sie bis in die Berge. Dort waren sie umzingelt und mussten über Luftbrücken mit dem Notwendigsten versorgt werden.

Nach Angaben der Frankfurter Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) sind viele der in den Nordirak geflohenen Yeziden weiterhin in großer Angst. Vor allem gegenüber ebenfalls in den Nordirak geflüchteten islamischen Sunniten. Der Grund dafür liegt nach Angaben der IGFM darin, dass sich nach den militärischen Erfolgen des „Islamischen Staates“ mehrfach sunnitische Nachbarn an Plünderungen, Menschenjagden und Morden radikalen Islamisten beteiligt haben, auch in Orten, in denen Yeziden bisher friedlich mit ihren sunnitisch-islamischen Nachbarn zusammen lebten.

 

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