Christen halten an ihrem Glauben fest

Pater-Werenfried-Jahresgedenken von Kirche in Not in Köln

Von Michaela Koller

KÖLN, 25. Januar 2015 (Vaticanista/Die Tagespost).- Die radikalislamische Sekte Boko Haram in Nigeria wird zunehmend mächtiger und brutaler: Die Christen dort halten aber an ihrem Glauben fest. Das berichtete der nigerianische Erzbischof Ignatius Kaigama von Jos. „Sie sprechen ohne Angst und Scham offen über ihren Glauben und riskierten ihr Leben als Bischöfe, Priester und einfache Christen“, sagte der Erzbischof bei einem Podiumsgespräch unter der Leitfrage: „Islamismus außer Kontrolle – wer stoppt die Fanatiker?“. Nach Köln hatte dazu das weltweite katholische Hilfswerk Kirche in Not im Rahmen des Jahresgedenken seines Gründers Pater Werenfried van Straaten eingeladen. Einschränkungen durch mangelnde Sicherheit nehmen sie Kaigama zufolge ebenso in Kauf wie lange Wege zum nächsten Gotteshaus: „Mit der Gnade Gottes waren an Weihnachten die Kirchen wieder voll. Boko Haram hat nicht erreicht, was sie wollten“, berichtete Kaigama.

Erzbischof Kaigama und Professor Samir; Copyright: Maria Lozano, CRTN

Erzbischof Kaigama und Professor Samir; Copyright: Maria Lozano, CRTN

Er berichtete, dass seit neuestem auch minderjährige Mädchen von der radikalislamischen Terrorgruppe Boko Haram dazu angeworben würden, sich auf Märkten in die Luft zu sprengen, um möglichst viele Zivilisten in den Tod mitzureissen. Anfangs seien nur christliche und staatliche Einrichtungen Ziele der Anschläge von Boko Haram gewesen. Nun breite sich Boko Haram immer weiter aus. „Prominente muslimische Stimmen haben sich auf die Seite der Christen und der Regierung gestellt“, sagte der Erzbischof, der Präsident der nigerianischen Bischofskonferenz ist. Nun würden alle wahllos angegriffen, die nicht mit ihrer Vision, ein islamisches Kalifat zu errichten, übereinstimmten. „Sie töten die Menschen, denen sie eigentlich helfen wollen. Das ist irrational“, sagte er. Nach fünfjährigem Kampf sei das vergangene Jahr das Brutalste gewesen. Und gleich zu Jahresbeginn sind schätzungsweise 2.000 Menschen in einem nordnigerianischen Ort massakriert worden. „Das einzig Gute ist das sich entwickelnde Bewusstsein, dass gute Christen und gute Muslime zusammenarbeiten müssen, um das Böse zu stoppen“, bemerkte Kaigama.

Christen in Europa müssen mehr über ihren Glauben Zeugnis ablegen, mahnte der Jesuitenpater und Vatikanberater Samir Khalil Samir an. „Ein Christ ohne eigene missionarische Aktivitäten ist nur ein halber Christ“, sagte der ägyptische Geistliche. Christen verbreiteten ihren Glauben aber durch das Zeugnis, nicht durch Gewalt, betonte Samir vor mehreren Hundert Gästen. Die Einwanderung von Muslimen könnten die europäischen Christen auch als Gnade sehen: „Gott schickte die Muslime zu uns“, sagte er. Er verstehe Bischöfe nicht, die Mission als Proselytismus ablehnten. Jedem Christen sei es aufgetragen, für seinen Glauben Zeugnis abzulegen.

Der radikalislamische Terror sei ein strategisches Mittel, um eine radikale Vision durchzusetzen. „Sie benützen Gewalt, um zu zeigen, dass sie bereit sind, alles zu tun“, sagte der Jesuit Samir. Die Muslime würden auf diese Weise eingeschüchtert und der Westen abgeschreckt. Nachhaltig Zulauf erhielten die radikalen Gruppen, weil sie ihren Anhängern eine neue Stärke, gegründet auf Moral, versprechen. Mit Wehmut blickten muslimische Araber auf die Zeiten alten Ruhms. Im 13. Jahrhundert sei die arabisch-islamische Welt dem Abendland noch kulturell überlegen gewesen. Europa habe seither den Orient hinter sich gelassen. Aus der Tatsache, dass im Zeitraum 636 bis 641 also binnen fünf Jahren, die Muslime den gesamten Nahen Osten erobert hätten, leiteten Islamisten irrtümlich ab, durch eine neue Worttreue zum Koran kehrten sie zu alter Macht und Größe zurück. Der traditionelle Islam kenne zudem keine Hermeneutik. Nun ginge es aber um eine neue Vision von Theologie, die eine weitere Interpretation zulasse: Dazu reiche es nicht aus, dass einige Hundert Gelehrte offene Briefe verfassen. „Warum gehen dafür nicht Massen auf die Strasse demonstrieren, wie sie es gegen Israel und Amerika machen“, fragte Pater Samir.

Unter dem Motto „Die christliche Familie – das Fundament Europas?!“sprachen in einer zweiten Runde im Rahmen des 12. Jahresgedenkens an den „Speckpater“ die Publizistin Birgit Kelle und Hedwig Freifrau von Beverfoerde, Sprecherin der Initiative Familienschutz, miteinander. Dabei warnte Kelle vor einem ideologischen Umbau der Gesellschaft . „Gender Mainstreaming hat nicht einmal ansatzweise etwas mit der Gleichstellung der Frau zu tun“, sagte die Publizistin („Dann mach doch die Bluse zu: Ein Aufschrei gegen den Gleichheitswahn). Jedoch habe die Politik diese Ideologie unter dem Deckmantel der Frauenförderung ins System gelassen. Wer sich mit der Umsetzung nicht einverstanden zeigte, galt automatisch als Frauenfeind. Durch die Sexualkunde-Debatte in Deutschland seien aber nun auch viele Familien aufgewacht. „Jetzt fängt es erst richtig an, Spaß zu machen“, gab sie sich kämpferisch.

Das in der Umsetzung Millionen von Euro verschlingende Gender Mainstreaming stütze sich auf die These, jeder Mensch könne sein Geschlecht selbst bestimmen, was auf eine Trennung von Geist und Körper hinauslaufe. Die Behauptung der Gender-Befürworter, eine Frau werde nicht als Frau geboren, sondern durch Rollenstereotype zur Frau gemacht, sei immer noch nicht bewiesen. Entsprechende Erziehungsprogramme seien gezielt für die Jüngsten konzipiert. „Sie können aber Kinder damit enorm verwirren.“ Erwachsene hingegen seien schon festgelegt. „Wir hier im Saal sind für das Programm schon komplett verloren“, sagte Kelle schmunzelnd. Sie warnte auch davor, sich durch die Verwendung des Begriffs Freiheit von Ideologen in die Irre führen zu lassen. Auch die Elternschaft hielten die Verfechter des Gender Mainstreaming für eine soziale Konstruktion. Bald könnte nicht nur das Geschlecht, sondern auch die Anzahl der Ehepartner ebenso zur Debatte stehen.

Der massive Ausbau von Krippenplätzen offenbare Kelle zufolge eine „Friss-oder-stirb-Mentalität“, da die hohen Ausgaben dafür letztlich die Wahlmöglichkeit der Mütter einschränkten, ihre Kinder selbst großzuziehen. „Verabschieden Sie sich von dem Gedanken, dass kein Geld dafür da sei, um das zu finanzieren“, bemerkte die Mutter von vier Kinder kritisch. Der Druck, seine Kinder früh in die Betreuung abzugeben, übten aktuell Wirtschaft, Politik und feministische Aktivistinnen aus.

„Familie braucht Bindung“, bestätigte Hedwig Freifrau von Beverfoerde. Kinder sollten möglichst die ersten drei Jahre bei der Mutter bleiben. „Auch die Mutter braucht das“, sagte Beverfoerde, die selbst drei Kinder hat. Durch den Druck, möglichst früh in die Berufstätigkeit zurückzukehren, würden die Familien auseinander dividiert. Dabei brachte diese Politik nicht die erwartete Steigerung der Geburtenrate, „eine Nullnummer, um unser Land aufrecht zu erhalten“, kritisierte sie. Das habe „riesige Auswirkungen“ auf das Rentensystem. Sie bezeichnete Gender Mainstreaming als „christenfeindlich“, nicht nur unvereinbar mit dem Glauben, sondern als ein Angriff auf die gottgegebene Ordnung. Beverfoerde organisiert auch die „Demo für Alle“, ein Aktionsbündnis verschiedener Familienorganisationen, politischer Vereine, engagierter Einzelpersonen und Initiativen aus ganz Deutschland, das sich gegen Gender-Mainstreaming und Sexualisierung der Kinder richtet. Es folgt einer Idee aus Frankreich und hat dort als La Manif Pour Tous bereits mehr als 1,5 Millionen Menschen auf die Straße gebracht.

[Erstmals erschienen: Die Tagespost, 24. Januar 2015]

 

 

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