Felsenschriften belegen frühes Christentum in Saudi-Arabien

Entdeckung im Libanon präsentiert

Von Michaela Koller

BEIRUT, 1. Februar 2015 (Vaticanista/ZENIT.org).- Neu entdeckte Felseninschriften erzählen die christliche Geschichte auf dem Gebiet des heutigen Saudi-Arabien. In der Wüste sind dort vier eingravierte Kreuze entdeckt worden. Sie gehen zurück auf christliche Gemeinden aus dem fünften Jahrhundert. Ein saudi-französisches Team förderte die Inschriften zutage, in denen biblische und speziell christliche Namen zu lesen sind. Vermutlich gedachten die Christen darauf Märtyrern, die damals bei einer Verfolgungswelle umkamen. Sie wurden bereits vor einem Jahr, wie die französischsprachige libanesische Tageszeitung „L’Orient – Le Jour“ meldete, südlich des Gebirgszugs Kawkab (Stern) im Süden des wahabitischen Staates entdeckt. Kürzlich präsentierte Professor Frédéric Imbert von der Universität Aix-Marseille in Südfrankreich die Entdeckung bei einer Konferenz der Amerikanischen Universität von Beirut. Die Gegend liegt an der Verbindungsstraße zwischen dem saudischen Najran (im Südwesten) und dem Jemen.

Die Funde erstrecken sich über ein Quadratkilometer. Einige Inschriften sind in Nabatäisch verfasst, ein aramäischer Dialekt. Die Experten rechnen sie der Herrschaft von Shurihbil Yakkuf zu, der von 470 bis 475 in Südarabien herrschte, unter der offenbar eine Verfolgung der Christen begann. Unter den genannten Namen fanden sich auch Marthad und Rabi. So hießen zwei der Märtyrer von Najran, die auf der Liste im Buch der Himyariten zu finden sind. Mehrere christliche Chroniken berichten von diesem Martyrium. Sogar im Koran gibt es einen Hinweis auf das Geschehen. Diese Dynastie kontrollierte die Gegend vom dritten Jahrhundert an 150 Jahre lang.

Sie wählte das Judentum als Religion, um zwischen den Reichen Byzanz und Persien neutral zu bleiben. Im 4. Jahrhundert verbreitete sich jedoch das Christentum dort und erreichte im 6. Jahrhundert die Golfregion. Christen aus dem Reich der Sassaniden sowie Syrer brachten es in die Gegend. Khaleb, König von Äthiopien, rettete einige der Verfolgten auf einen Hilferuf hin durch eine militärische Expedition. Der himyaritische König Yusuf, der das Massaker angeordnet hatte, wurde geschlagen und dort dann ein äthiopisch kontrolliertes christliches Königreich errichtet, bis es schließlich durch muslimische Eroberer überrannt wurde. Für die Historiker steht fest: Es sind die ältesten schriftlich arabischen Zeugnisse, die mit den Inschriften entdeckt wurden.

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