Bolivien hofft auf Besuch von Papst Franziskus

Druck auf Kirche unter der Herrschaft von Präsident Morales

MÜNCHEN, 13. Februar 2015 (Vaticanista/ZENIT.org).- Boliviens Katholiken hoffen aktuell auf einen Besuch von Papst Franziskus. Der Heilige Stuhl hat aber bislang noch keinen Reisetermin bestätigt. Bereits Ende vorigen Jahres hatte Präsident Evo Morales das Ereignis einseitig öffentlich angekündigt. Für Mitte des Jahres hat die örtliche Bischofskonferenz einen Eucharistischen Kongress organisiert und zu dieser Gelegenheit hofft sie, erstmals seit fast 27 Jahren einen Pontifex empfangen zu können. Die Bischöfe haben aber ihrerseits ebenfalls keine offizielle Ankündigung einer Apostolischen Reise nach Bolivien herausgegeben.

Copyright: Pia Wohlgemuth

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Internationalen Medienberichten zufolge lobt der Präsident des Andenstaates die päpstliche Vrmittlungsdiplomatie. Er selbst verspricht sich wohl Unterstützung in einer Auseinandersetzung mit Chile. In einem Gespräch mit ZENIT während seines Besuchs in München erklärte der bolivianische Provinzial des Franziskanerordens, Pater Orlando Cabrera, die Hintergründe der Einladung an den argentinischen Papst: „Der Präsident versucht, die Autorität des Papstes zu nutzen, um von Chile ein Stück Meerzugang zu bekommen.“ Von Chile wurde er hingegen nicht eingeladen.

Das bolivianische Volk hoffe, dass der Papst zu ihnen komme, allen voran die katholische Kirche, die sich an einem Scheideweg befinde. Sie erfährt starken Gegenwind durch die sozialistische Regierung unter dem indigenen Präsidenten. Dieser brandmarkte „die Führungsschicht der katholischen Kirche“ in seinem Land als Feind friedlicher Veränderungen. Morales versucht offenbar gezielt, ihren Einfluss zu unterminieren: Im vorletzten Jahr gründete er die „Erneuerte Katholisch-Apostolische Kirche des plurinationalen Staates“ als Nationalkirche.

Offiziell begegnet die Regierung der katholischen Kirche nicht feindselig, denn rund 90 Prozent der Bolivianer sind Katholiken. „Aber das Verhältnis ist sehr delikat“, sagte Pater Orlando. In der Regierung gebe es Kreise, die sehr anti-katholisch seien. Diese versuchten gezielt, die katholische Kirche in der Schulbildung auszuschalten. Der Staat fordert selbst die Exklusivität in der Ausbildung der Religionslehrer und nennt das Fach „Spiritualität und Moral“. „Die Eltern wissen meist nicht um ihr sogar in der Verfassung verankertes Recht auf einen konfessionellen Religionsunterricht“, beklagte der Provinzial. Unglücklicherweise habe die Ortskirche erst spät die Gefahr erkannt, die mit dem Einfluss auf die Lehrerausbildung verbunden ist.

„Das ist eines unserer Hauptprobleme“, sagte Pater Orlando. Lehramtskandidaten müssten ein Programm durchlaufen, in dem das Christentum generell als negativer Einfluss dargestellt wird. Es wird unter ihnen, wie unter allen Beamten, für die Mitgliedschaft in der Regierungspartei geworben, während der Kirche Skandale unterstellt würden. Der katholischen Kirche schrieben sie die Propagierung der Marktwirtschaft zu. Oder diese Kreise machten sie dafür verantwortlich, dass Bolivianer mit traditioneller Kleidung früher diskriminiert wurden. Zudem förderten sie gezielt vorchristliche religiöse Traditionen. „Es wird praktisch immer wieder versucht, das Volk und besonders die Kinder zu beeinflussen, indem Politiker betont Rituale der Naturreligionen praktizieren.“

Auf die Frage, ob die katholische Kirche zu einem Symbol der kolonialen Vergangenheit stilisiert werde, antwortete Pater Orlando: „Es ist eine Ideologie des Staates.“ Die Kirche werde in der Bevölkerung nicht als imperialistisch wahrgenommen. Vielmehr gelte sie als Einrichtung, der vertraut wird, die in Konflikten immer wieder vermittelte. „Der Staat drängt aber die Kirche aus sozialen Projekten“, beklagte der Franziskanerpater und nannte etwa Krankenhäuser als Beispiel. Das soziale Engagement des Staates sei grundsätzlich gut. Kritisch beobachtet er aber, dass in der Folge sich auch der Geist dieser Projekte verändere. „Auf diese Weise versucht die Regierung, die Bevölkerung zu manipulieren, damit ihr keine Instanz mehr widerspricht“, erklärte er. Bei 70 Prozent der Zustimmung für die Regierung zeichne sich ab, dass es keine oppositionelle Stimme außerhalb der Kirche gebe. „Wir sehen uns mit der größten Herausforderung in der Geschichte der Kirche in Bolivien konfrontiert.“ Daher wirbt der Pater derzeit im Ausland massiv um Unterstützung pastoraler Projekte zur Wiederbelebung des Glaubens an der Basis.

 

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