Die Bedrohungslage der Kopten

Besinnung zur Fastenzeit aus der christlich-arabischen Welt

Von Monsignore Joachim Schroedel

KAIRO, 3. März 2015 (Vaticanista/ZENIT.org).- Jede Woche einmal in dieser Fastenzeit veröffentlicht Vaticanista eine Besinnung, die Msgr. Joachim Schroedel aus Kairo für ZENIT verfasst hat. Fast zwanzig Jahre, bis August 2014, war Msgr. Joachim Schroedel im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz der Seelsorger der deutschsprachigen Katholiken in Ägypten, zuständig auch noch für acht weitere Länder. Der Geistliche aus dem Bistum Mainz unterstützt nun den Apostolischen Vikar in Alexandria, Bischof Zaki, in der Seelsorge für die Deutschsprachigen.

Besinnung der zweiten Fastenwoche

In den Nachrichten haben die Kopten anscheinend eine „gute Presse“ – freilich, in aller Tragik, unter der sie zu leiden haben. 21 koptische Christen wurden auf barbarische Weise vor wenigen Wochen in Libyen zu Opfern des Terrors der islamistischen Gruppe der auch im Westen so genannten Gruppe „IS – Islamischer Staat“. Wer in diesen Fastentagen in Ägypten als Europäer mit diesem Schrecken konfrontiert wird, muss sich die Frage gefallen lassen: Wie stehen die Christen in Deinem Land zu diesem Attentat?

Am 17. Februar konnte man aus einer acht Sätze umfassenden Erklärung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, entnehmen: „Diese barbarische Tat ist mit nichts zu rechtfertigen. Gewalt im Namen Gottes darf auch künftig keinen Platz in den Religionen haben. Erschüttert und sprachlos stehen wir erneut vor der Abgründigkeit von Menschen.“

Die „Sprachlosigkeit“ aber ist es, die die Christen in Ägypten zutiefst irritiert. Wie kann in Europa, wie kann in Deutschland eine Gruppe von Bischöfen, nein, die Bischofskonferenz, „sprachlos“ sein? Mit aller Kraft und auch aller Entschiedenheit hätte das Abschlachten der Märtyrer von Libyen verdammt werden müssen. Besonders zeichenhaft wäre zum Beispiel der Besuch wenigstens EINES deutschen Bischofs bei den etwa 15 Millionen koptisch-orthodoxen und 250.000 mit Rom unierten koptischen Katholiken. Doch ist derzeit von solchen Plänen in Kairo nichts bekannt.

Auch in Ägypten ist bei den Christen vor Ostern Fastenzeit. Die Kopten fasten, gemäß ihrer Tradition, 55 Tage, während die mit Rom Unierten eine Woche nach der westlichen Fastenzeit mit der Vorbereitung zu Ostern begonnen haben.

Allen Kopten – und sehr vielen muslimischen Ägyptern – ist diese Zeit heilig. Auch Muslime haben Respekt vor den christlichen Fastentraditionen. Wenn Kopten fasten, verzichten sie auf alles, was tierisch ist oder vom Tier kommt. Ein muslimischer Freund sagte mir: „Sie verzichten auf alles, was Leben hat – damit sie das Leben neu finden“. Dieser Aussage ist nichts mehr hinzuzufügen.

Außer: Wir Christen des Westens sollten die Bedrohungslage dieser so entschiedenen Christen nicht mit einigen „bedauernden Sätzen“ zur Kenntnis nehmen, sondern ebenso wie sie für das Leben und die Freiheit des Glaubens eintreten. Es kann keine Sprachlosigkeit geben in der Fastenzeit. Es ist die Zeit des Aussprechens! Jesus hat uns dies vorgemacht: bis zum Blut vergießen… Das haben auch die Kardinäle versprochen.

 

 

 

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