“Das Blutvergießen der Christen muss beendet werden!

Dramatischer Appell des syrischen Patriarchen Aphrem II. und aufrüttelnde Aktion in München

Von Michaela Koller

MÜNCHEN, 13. März 2015 (Vaticanista/ZENIT.org).- Nach gezielten Angriffen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf 32 assyrische Dörfer im Nordosten Syriens hat der syrisch-orthodoxe Patriarch von Antiochien Aphrem II. jetzt einen dramatischen Appell an die internationale Gemeinschaft gerichtet. Darin betonte er: “Die Entscheidungsträger müssen endlich glaubhaft darauf hinarbeiten, dass das Blutvergießen der Christen in ihrer angestammten Heimat gestoppt wird.“ Er verurteilte die Taten des IS als Morde und Terrorakte.

Patriarch Aphrem II. erneuerte seine Forderung an alle an einem Frieden Interessierten, sich für eine friedliche Lösung des Konflikts in der Region einzusetzen. Das Kirchenoberhaupt der akut bedrohten syrisch-orthodoxen Minderheit in der Region bekräftigte, dass jedwede Unterstützung terroristischer Organisationen umgehend gestoppt und die einschlägigen Beschlüsse des UN-Sicherheitsrats umgesetzt werden müssten. Der Patriarch war in der vorigen Woche in den Niederlanden zu einem Apostolischen Besuch und zeigte sich durch die Nachrichten aus Syrien äußerst betroffen.

Copyright: ZOCD - Jacob Simon

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„Der Appell fiel diesmal dramatischer aus, weil sich die Situation zuspitzt“, sagt der Vorsitzende des Zentralrats Orientalischer Christen in Deutschland (ZOCD) Simon Jacob, der selbst syrisch-orthodoxer Christ ist. Der Appell Aphrems II. sei nicht sein Erster gewesen und auch andere Vertreter der Christen im Irak und Syrien erinnerten beständig an die Gefahr, dass die islamischen Terroristen das Christentum dort bald ganz ausgerottet haben. „Das gilt nicht nur für den Irak. Er hat es auf die Khabour-Region bezogen, die ich vor kurzem bereist habe“, erklärt Jacob.

Er selbst belässt es jetzt nicht mehr bei Wortappellen. Eine öffentliche Veranstaltung in München aus der Reihe Domspatz-Soiréen des Publizisten Michael Ragg über den Völkermord an den Armeniern vor 100 Jahren nutzten er und seine Mitstreiter, um mit einer gestellten IS-Hinrichtung auf der Bühne das Publikum wachzurütteln. Ein als IS-Kämpfer in Schwarz verkleideter Darsteller mit Sturmhaube zog einen Mann im orangenem Overall durch den Saal, der mit Handschellen gefesselt war.

„Wir haben keine andere Möglichkeit mehr gesehen, als die Menschen durch solche visuellen Effekte wachzurütteln.“ Die Zuschauer mussten Momente des Schreckens aushalten. „Es war zu erwarten, dass sie anfangs schockiert sind, aber das Publikum hat es verstanden“, sagt Jacob. Die Aktion sollte helfen, sich tiefer in die Lage der Opfer hineinzuversetzen und den Protest endlich an die heranzutragen, die die Verantwortung übernehmen müssen, meint der Interessenvertreter, der für die orientalischen Christen in Deutschland spricht. „Wir befinden uns inzwischen auch in einem medialen Konflikt, der den militärischen begleitet“, erklärt er weiter.

Der IS verstehe es „unheimlich gut“, mediale Möglichkeiten für seine Propaganda zu nutzen, in der Gesellschaft zu polarisieren und sie so zu spalten. Er erinnerte an den Kalten Krieg, als Radio- und Fernsehbeiträge genutzt wurden, um Propaganda über den Eisernen Vorhang zu transportieren. Bereits 2007 habe Al-Kaida-Chef, damals noch Vizechef, Ayman al-Zawahiri, einen Medienkrieg angekündigt. „Das muss die Politik nun einsehen. Sie hat schon einiges versäumt“, warnt er weiter.

Der Westen sollte erkennen, dass diese Bedrohung sich nicht nur gegen Christen oder Jesiden richte, sondern auch die Köpfe junger Menschen in Deutschland als Indoktrination erreiche. In Politik und Gesellschaft sollten sich die Menschen der Gefahr bewusst sein, welchen Einfluss die Bilder von grausamen Hinrichtungen haben, die sich viele junge Leute im Internet ansehen.

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