Freuen über die Nähe des Herrn im Orient

Besinnung zur Fastenzeit aus der christlich-arabischen Welt / 4

Von Monsignore Joachim Schroedel

KAIRO, 19. März 2015 (Vaticanista/ZENIT.org).- Wir veröffentlichen in dieser Fastenzeit jeweils montags eine Besinnung, die Monsignore Joachim Schroedel aus Kairo für ZENITverfasst hat. Fast zwanzig Jahre, bis August 2014, war Schroedel im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz der Seelsorger der deutschsprachigen Katholiken in Ägypten, zuständig auch noch für acht weitere Länder. Der Geistliche aus dem Bistum Mainz unterstützt nun den Apostolischen Vikar in Alexandria, Bischof Zaki, in der Seelsorge für die Deutschsprachigen.

Besinnung der vierten Fastenwoche

„Laetare Ierusalem: et conventum facite omnes qui diligitis eam: gaudete cum laetitia, qui in tristitia fuistis: ut exsultetis, et satiemini ab uberibus consolationis vestrae.“ (Jes 66,10-11).

Freue Dich, Jerusalem, und kommt alle zusammen, die ihr diese Stadt liebt, Seid fröhlich mit ihr, die Ihr traurig wart…!

Welch wundervoller Introitus der lateinischen Liturgie des vierten Fastensonntags! Jerusalem, die Kirche, soll sich freuen. Mitten in der Fastenzeit strahlt die Gewissheit der Rettung auf. In der Regel wird dieser Sonntag als „Halbzeit der Fastenzeit“ gedeutet. Freuen, weil die Fastenzeit bald vorbei ist. Doch sind solche Interpretationen reine Oberfläche. Gerade in die bereits wochenlange Fastenzeit strahlt vom Ziel her auf: Gott wird seiner Kirche und allen Menschen (Jes 66, 18) Heil schenken. Der zweite Teil der Fastenzeit steht somit mehr unter dem Zeichen der grenzenlosen Liebe Gottes, seiner Barmherzigkeit, die will, dass die Fülle des Heiles jeden Menschen erreicht, auch denjenigen, der nicht zu „Jerusalem“ (der Kirche) gehört.

Im orientalischen Kontext sind diese Visionen oder Hoffnungen in vielfacher Hinsicht eine Herausforderung. Die arabischsprachigen Christen sehnen sich nach diesem Jerusalem, denn sie sind oft genug gequält und voller Trauer. Sie fragen sich: Wann wird uns Gerechtigkeit zuteil? Diese Frage brennt auf den Herzen palästinensischer Christen ebenso wie in Ägypten, im Irak und Syrien. Lasst uns nach Jerusalem, lasst uns unsere Kirchen – und zündet sie nicht an! Lasst uns pilgern und unseren Weg gehen – und schneidet uns nicht die Köpfe ab! Aber alle Traurigkeit wird doch immer wieder vom Ruf übertönt: „Rabbina mawgud“ – der Herr ist da!

Für mich als Europäer ist es immer wieder beschämend, wie groß die Hoffnung ist – wenn auch so vieles dagegen spricht. Und was bedeutet die Vision der Völkerwallfahrt nach Jerusalem für die Muslime? In Ägypten zumindest hatte ein Jahr islamistischer Herrschaft gereicht, um nun neu zu sagen: Besinnen wir uns auf das, was uns eint! Wenn auch (Wallfahrts-)Wege unterschiedlich sind; das Ziel der Einheit unter dem Einen Gott ist Sehnsucht aller Menschen. Ein weiteres Stück des Weges hin zu Ostern liegt noch vor uns. Und wohl ein langes Stück zur Einheit. Aber: Wir können, nein: müssen ihn gehen!

 

Artikel drucken

Dieser Beitrag wurde unter Betrachtungen, Katechese, Nachrichten, Weltkirche - Ökumene veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.