Gedenkgottesdienst in Shanghai erinnert an Bischof Aloysius Jin Luxian

Vorbereitung auf Fest Unserer Lieben Frau von Sheshan

Von Michaela Koller

SHANGHAI, 2. Mai 2015 (Vaticanista/ZENIT.org).- Shanghais letzter freier Bischof Aloysius Jin Luxian SJ ist vor zwei Jahren gestorben. Ein Gedenkgottesdienst am Montagmorgen in der Kathedrale von St. Ignatius in Shanghais Bezirk Xujiahui erinnerte an diese große Gestalt der Kirche Chinas. Wie die Agentur Asia News berichtet, waren mehrere Hundert Menschen zu der Messe gekommen, darunter Priester, Ordensfrauen, Seminaristen und andere Gläubige. Hauptzelebrant war Pfarrer Wu Jianlin.

Jin gehörte seit den achtziger Jahren der von Peking kontrollierten offiziellen Kirche in China an. Nach 27 Jahren in der Gefangenschaft entschied sich dafür, mit den chinesischen Behörden zusammenzuarbeiten. Viele seiner Glaubensgeschwister missbilligten diese Entscheidung. Im Januar 1985 wurde er ohne eine päpstliche Erlaubnis Weihbischof und im Februar 1988 zum Bischof von Shanghai ernannt. Zuletzt war er sogar Ehrenpräsident der Patriotischen Vereinigung. Im Jahr 1957 staatlich eingesetzt, sollte diese die Loslösung von Rom fördern, was in der Folge kirchenrechtliche Realität wurde. Rom erkannte Bischof Jin 2004 schließlich als Koadjutorbischof der Diözese Shanghai an. Im Jahr 2005 lud ihn zudem Papst Benedikt XVI. zur Bischofssynode in den Vatikan ein. Gläubige, die Jin schätzen, urteilen: „Während er sich nie in direkter Opposition zur Regierung befand, trug er viel zum Wachstum der Kirche in Shanghai und China bei.“

Seine Lebensleistung lässt sich in dem Wiederaufbau einer der wichtigsten Diözesen in Festlandchina nach der Kulturrevolution (1966 bis 1976) und nach seiner Gefangenschaft (1955 bis 1982) umschreiben. Sein Einflussbereich ragte aber noch weit darüber hinaus, da er kein geringeres Ziel als die Evangelisierung in dem kommunistischen Land vor Augen hatte. Den Schlüssel dazu erkannte er in der Vermittlung von Glaubenswissen für die Gläubigen und die Bildung von Priestern und Ordensleuten.

Über lange Zeit war Bischof Jin fast jährlich in Deutschland, das er 1985 erstmals bereiste und von wo er sehr viel Unterstützung erhielt. Die enge Verbindung gipfelte in dem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) 2006, die sich zu einem ausgiebigen Gedankenaustausch bei ihm einfand.

Die lange Sedisvakanz in der südchinesische Metropole ist politisch begründet. Bischof Fan Zhongliang von Shanghai, der vor einem Jahr starb, war nie von Peking anerkannt worden. Bereits seit drei Jahren sitzt Weihbischof Thaddeus Ma Daqin unter Hausarrest im Seminar von Sheshan fest. Er war als Bischof der Stadt auf Druck Pekings abgesetzt worden, weil er anlässlich seiner Bischofsweihe mit der Patriotischen Vereinigung, dem Parteiorgan zur Kontrolle der Kirche, gebrochen hatte. Seine Entscheidung hatte immerhin einen Prozess der Versöhnung zwischen der offiziellen Kirche in China und der inoffiziellen im Gebiet der Diözese in Gang gebracht. Seit seiner Festnahme ist diese Entwicklung eingefroren.

Vertreter der offiziellen wie auch der inoffiziellen Kirche versammelten sich immerhin zugleich am Montagmorgen im Gedenken an Bischof Aloysius. Ein Priester der offiziellen Gemeinde wird von Asia News mit den Worten zitiert: „Wir wünschen uns eine engere Verbindung mit der Untergrundgemeinde, aber wir befürchten, dass die Regierung alles blockieren und verbieten wird, wie sie dies auch bei Weihbischof Ma getan haben.“

Derzeit bereitet sich die Diözese Shanghai auf das Fest Unserer Lieben Frau von Sheshan vor, deren Wallfahrtszentrum ein Dutzend Kilometer außerhalb der Metropole im Gebirge liegt. Das Fest fällt auf den 24. Mai fällt (Maria Hilfe der Christen), aber das Nationalheiligtum ist Wallfahrtsziel im gesamten Monat Mai. Jedes Jahr ist fraglich, wie viele Sondergenehmigungen für die Anfahrt der Pilger für Busse und Autos erteilt werden, um zum Heiligtum zu gelangen. Im Jahr 2007, als Papst Benedikt XVI. den 24. Mai zum Weltgebetstag für China erklärte, begann die chinesische Regierung die Wallfahrt zu beschränken und zu kontrollieren. Am Festtag selbst erlaubt sie nur Gläubigen aus Shanghai dorthin zu fahren, hält so andere Gruppen von der Teilnahme ab und verhindert damit letztlich ein größeres Fest als Ausdruck des marianischen Glaubens.

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