Gemeinsames Osterfest?

Eindrücke eines deutschen Seelsorgers im Orient

Von Monsignore Joachim Schroedel

KAIRO, 2. Juli 2015 (Vaticanista).- Agenturmeldungen zufolge hat Papst Franziskus bei einem Treffen mit Priestern im Juni seine Bereitschaft bekundet, einen gemeinsamen Ostertermin der katholischen Kirche zusammen mit den orientalischen Kirchen zu finden. Er sei dazu bereit, die bisherige katholische Praxis aufzugeben. In einem Brief hatte Papst Franziskus an den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., und den Moskauer Patriarchen Kyrill I. diese Bereitschaft signalisiert.

In Zeiten der Christenverfolgungen als Christen näher zusammenzurücken ist richtig und im westlichem Verständnis von Ökumene und Solidarität ein wichtiges Desiderat. Dennoch gibt es pastorale, ökumenische und globale Hindernisse.

Der Julianische Kalender wurde durch Papst Gregor XIII. korrigiert. Im Jahre 1528 wurden die Tage zwischen dem 4. und 15. Oktober schlichtweg ausgelassen. Erst 1699 übernahmen auch die protestantischen Regionen Deutschlands diesen Kalender. Die orthodoxen Kirchen konnten sich nie dem Gregorianischen Kalender anschließen.

Doch hierbei ist noch nichts über die Feier des Osterfestes gesagt. Allenfalls versteht man besser, warum die Orientalischen Kirchen das Geburtsfest Christi nicht am 25. Dezember, sondern am 7. Januar feiern: Deren Kalender geht einfach um derzeit 13 Tage nach.

In den ersten Jahrhunderten wurde das Fest der Auferstehung an sehr unterschiedlichen Terminen gefeiert. Vielfach, so etwa in Syrien, wollte man vor allem nicht am gleichen Tag feiern, an welchem die Juden ihr „Pessah“ feiern (15. Nissan, nach jüdischem Mondkalender). Das Konzil von Nizäa definierte schließlich: Das Osterfest soll an einem Sonntag nach dem 14. Nissan gefeiert werden und an einem Sonntag nach dem jüdischen Pessahfest. Der Termin des Osterfestes, wie er auch noch heute (bei den Christen des Westens) gilt, wurde definiert: Ostern wird gefeiert am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond.

Diese Reglung galt für alle Kirchen bis zur Kalenderreform von 1582. Erst seit diesem Datum ist das Osterfest zumeist nicht an einem Termin. Mit anderen Worten: Wenn die Orientalen den Gregorianischen Kalender akzeptieren würden, wäre keinerlei Differenz mehr vorhanden, die alte Einheit würde wieder hergestellt.

Doch die Orientalen halten anscheinend recht strikt am Julianischen Kalender fest. Verständlich ist dies zum Teil durchaus. So wurde durch die Kommunisten in Russland der „moderne“, (Gregorianische) Kalender eingeführt – dass der Widerstand der Kirche erst recht groß war, versteht sich von selbst.

Die römische Kirche hat schon seit langer Zeit ihren Gläubigen, die in weitgehend orientalisch („orthodoxer“) Umgebung leben, erlaubt, den Osterfestkreis mit den Orientalen zu feiern. In Ägypten zum Beispiel feiern die „Lateiner“ (römisch-katholische Christen) durch Dekret des Apostolischen Vikars (derzeit Adel Zaki) das Osterfest gemeinsam mit der Mehrheit des Christentums in Ägypten, den ägyptisch-orthodoxen Christen („Kopten“). So kam es auch, dass die deutschsprachige katholische Markusgemeinde in diesem Jahr eine Woche der „westlichen“ Christenheit „hinterher hinkte“. Für viele hiesige, orientalische Christen ein gutes Zeichen der Solidarität. Aber diese war innerhalb der mit Rom Unierten nicht so groß: Selbst innerhalb einer Ordensgemeinschaft wurden in zwei Konventen, die nur 14 Kilometer voneinander entfernt liegen, die beiden unterschiedlichen Kalender benutzt….

Weiter bemerkenswert: Nicht alle katholischen Teilkirchen im Orient halten sich an diese Möglichkeit. So ist es zum Beispiel dieses Jahr in Jerusalem so gewesen, dass die mit Rom unierten Kirchen alle zum Zeitpunkt des „lateinischen“ Ostern das Fest gefeiert haben. Noch etwas extremer: In Kairo wurde durch die deutschsprachige Gemeinde dem Wunsch und Dekret des Bischofs folgend, bei den Borromäerinnen in Bab el Louk (Hauptkapelle für die deutsche Gemeinde nahe des zentralen Tahrirplatzes) Ostern mit den Orientalen gefeiert, aber sowohl die evangelischen Christen als die katholische Schule der Borromäerinnen feierte nach westlichem Kalender. Für mich als Priester bedeutet dies heute, nachdem wir wieder in der „Zeit im Jahreskreis“ angelangt sind: Ich habe alle Feste und Tage, von Aschermittwoch bis Dreifaltigkeit, in diesem Jahr doppelt gefeiert, jeweils eine Woche versetzt….Ja, es wäre schön, einen gemeinsamen Ostertermin zu haben!

Bei einem gemeinsamen Ostertermin stellt sich auch die Frage nach der Haltung der aus der protestantischen Tradition Kommenden und erst recht der Staaten, etwa Deutschland. Als Politiker könnte man bei diesen Fragen leicht dazu kommen, die Frage der (wirklichen) Trennung von Kirche und Staat neu zu überdenken – und Ostern staatlich quasi abzuschaffen.

Selbst wenn es gelingen möge, die protestantische Tradition auf die Linie der vatikanischen Idee zu bringen – da ist ja immer noch der Staat, der über Feiertage zu entscheiden hat. Nur ein ganz konkretes Beispiel: Im nächsten Jahr wird die westliche Christenheit – und eben auch alle, die sich dem Gregorianischen Kalender verbunden wissen, etwa 90 Prozent der Menschen, ob gläubig oder ungläubig, das Osterfest am 27. März begehen. Das orientalisch „orthodoxe“ Ostern ist am 1. Mai. So liegen, aus kalendarischen Gründen, fünf Wochen zwischen beiden Terminen! Natürlich wird dann auch die deutschsprachige katholische Markusgemeinde Kairo (und wohl die Mehrheit der anderen Sektionen) zum „westlichen“ Termin Ostern feiern. Kann sich jemand aus den evangelischen Gemeinschaften vorstellen, am 1. Mai Ostern zu feiern…? Würde die Staatengemeinschaft eine „Rückkehr“ in den Julianischen Kalender akzeptieren?

Und letztlich: Was wird die Orthodoxie tun? Hier in Ägypten heißt es oft: Wir feiern Ostern gerne mit den Orientalen… unter der „Bedingung“, dass sie mit uns am 25. Dezember Weihnachten feiern. Dass kommt der „Quadratur des Kreises“ nahe: Jeder, der sich etwas in die Materie vertieft, wird wissen, dass es so nicht geht. Sollte die katholische Kirche um der Einheit Willen das Osterfest mit den Orientalen feiern, wäre es ein (erneuter) Triumph der Orthodoxie über den Katholizismus. Denn für einen Orientalen wäre dann klar: Die sogenannte „Catholica“, die in so vielem schon christliche Positionen aufgegeben hat, fällt auch in der Frage des Osterfesttermins vor lauter vermeintlich freundlicher „Ökumene“ schlicht um! Und ich kann mir nicht vorstellen, dass etwa die Kopten am 25. Dezember Weihnachten feiern, denn das bedürfte der Akzeptanz des Gregorianischen Kalenders, die einer „Unterwerfung“ unter dem Papst in Rom gleich käme.

Und man könnte und sollte auch naturwissenschaftlich die Orientalen daran erinnern, dass die Entscheidung Gregors XIII. nicht einer Laune gegen die „anderen“ Christen entsprungen war, sondern einfach naturwissenschaftlicher Erkenntnis.
[Msgr. Joachim Schroedel, Kairo, ist im Auftrag des Apostolischen Vikars, Bischof Adel Zaki, Seelsorger für die Deutschsprachige Katholische Markusgemeinde Ägypten]

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