Triumph über die Propheten der Zerstörung

Papst Franziskus warnt vor jedem Versuch, Uniformität aufzuzwingen

Von Michaela Koller

NEW YORK, 4. Oktober 2015 (Vaticanista/ZENIT.org).- Ground Zero, wo die Türme des am 11. September 2001 zerstörten World Trade Centers standen, sei zu einem Ort des geretteten Lebens geworden, betonte Papst Franziskus bei seiner Ansprache am Freitag in der New Yorker Gedenkstätte. Er verwies damit auf den heroischen Einsatz der ersten Helfer nach den abscheulichen Angriffen. „Die Feuerwehrmänner von New York City kletterten in die zusammenbrechenden Türme, ohne auf ihr eigenes Wohl zu achten. Viele kamen dabei ums Leben.“ Ihr Opfer habe zahlreichen anderen ermöglicht, gerettet zu werden.

Dieser Ort des Todes sei so zu einem Hymnus auf den Triumph des Lebens über die Propheten von Zerstörung und Tod, auf den Triumph der Güte über das Böse, der Versöhnung und Einheit über Hass und Spaltung geworden.

Er habe kurz zuvor noch einige Familien getroffen, deren Angehörige zu den ersten Helfern gehörten und dabei ihr Leben verloren. Taten der Zerstörung seien niemals abstrakt, habe er bei der Begegnung gesehen: „Sie haben immer ein Gesicht, eine konkrete Geschichte und Namen.“ Er erkenne darin das Gesicht des Schmerzes, der immer noch berühre und der zum Himmel schreie.

Der Heilige Vater plädierte für eine versöhnte Verschiedenheit und rief dazu auf, jeden Versuch, Uniformität aufzuzwingen, abzuwehren. „Bei all unseren Unterschieden und Meinungsverschiedenheiten können wir doch in einer Welt des Friedens leben“, sagte er vor rund 400 Vertretern der in „Big Apple“ vertretenen Religionsgemeinschaften sowie zwei Dutzend Familien von Opfer-Angehörigen.

Kardinal Timothy Dolan, Erzbischof von New York, betonte bei der Begrüßung des Papstes in der Gedenkstätte, die New Yorker seien Sünder, aber was sie beherrschten, sei die interreligiöse Verständigung. Er unterstrich die „Atmosphäre von Respekt und Wertschätzung“ der Menschen unterschiedlicher Kultur und Religion untereinander. Ein Rabbiner und ein Imam eröffneten die Anrufung Gottes. Vertreter des Hinduismus, des Buddhismus und des Sikhismus folgten mit ihren jeweiligen Gebeten. Das Kaddish eines Kantors mit einer beeindruckenden Stimmfülle sowie das Lied „Peace be on earth“ des New Yorker Jugendchors rundeten die knapp einstündige würdevolle Feier ab. (mk)

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