Chaldäischer Patriarch protestiert gegen Einschränkung der Religionsfreiheit

Gesetz fördert weitere Islamisierung

Von Michaela Koller

BAGADAD, 16. November 2015 (Vaticanista/ZENIT.org).- Patriarch Louis Raphael I. Sako, Oberhaupt der chaldäisch-katholischen Kirche, hat sich in einem Schreiben gegen ein neues irakisches Gesetz über die Religionszugehörigkeit von Kindern gewandt. Er kündigt darin öffentliche Proteste gegen den Beschluss an, dass Kinder eines Konvertiten zum Islam künftig automatisch als Muslime gelten. „Diese Regelung zählt zu den am stärksten diskriminierenden, da sie eine totale Missachtung der Werte der irakischen Zivilisation bedeutet, auch gegen diejenigen gerichtet, die als erste Bürger dieses Landes betrachtet werden“, heißt es in dem Brief, den er an die Agentur AsiaNews schrieb.

Er sieht in dem Gesetz eine Bedrohung für die Einheit der Nation, das soziale Gleichgewicht, den religiösen Pluralismus und für das Prinzip der Akzeptanz des Anderen in seiner Andersartigkeit. In seiner Argumentation bezieht sich der Patriarch selbst auf den Koran und die Auslegung eines islamischen Theologen, um die Abgeordneten zu überzeugen. Er verweist zudem auf drei Artikel der irakischen Verfassung, darunter Artikel 42: „Jede Person hat Anspruch auf Gedanken-, Gewissens- und Weltanschauungsfreiheit.“

Muslime und Nichtregierungsorganisationen würden die Kirche in ihrer Haltung unterstützen. Religion sei etwas zwischen Gott und dem einzelnen Menschen und dürfe nicht an Verpflichtungen gebunden sein. „Parlamentarier täten gut daran, wenn sie sich darum sorgten, dass die Individuen gute Bürger werden, anstatt sich in ihre Religion einzumischen“, schreibt Patriarch Louis Raphael I. Er appelliert an den Präsidenten, das Gesetz zurückzuweisen. Für den Fall, dass das Gesetz in Kraft trete, kündigte er Proteste auf internationaler Ebene an.

 

 

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