Eine Sendung der Wahrheit für eine menschenwürdige Gesellschaft

Symposium des Ratzinger-Schülerkreises in Berlin

Von Michaela Koller

BERLIN, 10. Januar 2016 (Vaticanista/ZENIT.org).- Als „eine Rede, die in die Geschichte eingegangen ist“, hat der Vizepräsident des Deutschen Bundestags Johannes Singhammer (CSU) die Ansprache des emeritierten Papstes vor dem Hohen Haus vor vier Jahren genannt. An das leidenschaftliche Plädoyer für ein „hörendes Herz“ der Volksvertreter in der demokratischen Institution sowie andere Reden zur Politik erinnerte am Mittwoch und am Donnerstag ein Symposium in Berlin. Die Joseph Ratzinger –  Papst Benedikt XVI. – Stiftung hatte dazu eingeladen, am ersten Tag zusammen mit Singhammer und dem Vorsitzenden der CDU/CSU-Fraktion Volker Kauder.

Für den Bundestagsvizepräsidenten müssen Gesetze dem jüdisch-christlichen Menschenbild standhalten: Eine der entscheidenden Ursachen für die aktuelle Flucht von Millionen Menschen sei die Abwesenheit von Recht und Gesetz. Es sei daher notwendig, sorgsam mit dem Recht umzugehen. „Es wäre kurzsichtig, wenn wir uns nicht an diese Wurzeln halten würden“, sagte Singhammer am Mittwochabend im Reichstagsgebäude. Nur mit der Rückbesinnung auf dieselben könnten politische Entscheidungen gelingen.

Wegen seines Einsatzes für die Religionsfreiheit ist Volker Kauder, obwohl evangelischer Christ, Träger des päpstlichen Gregoriusordens. „Der Papst hat davor gewarnt, allein positivistisches Denken zur Grundlage unserer Arbeit zu machen“, erinnerte er an die Naturrechtsrede des deutschen Papstes. Wenn Zusammenleben und Integration hierzulande gelingen solle, müsse gerade auch an der Rechtsordnung mit Bedacht gearbeitet werden. Abzulehnen sei die Forderung, die Religionen als Streitpunkt in den privaten Bereich zu verschieben.

Erzbischof Georg Gänswein, links davon Ratzingerschüler Pater Stephan Horn; Copyright: Dr. Stefan Groß

Erzbischof Georg Gänswein, links davon Ratzingerschüler Pater Stephan Horn; Copyright: Dr. Stefan Groß

„Es hat keinen Sinn zu glauben, wenn man den eigenen Glauben bekämpft hat, habe der andere viel mehr Respekt.“ In islamischen Ländern, wo er regelmäßig die Christen besuche, habe die Religion noch einen höheren Stellenwert als in Europa. Er könne nicht kritisieren, wenn Muslime in großer Zahl und treu jeden Freitag zum Gebet in die Moschee gehen. „Ich kann mich nur wundern, dass sich Christen so wenig zu ihrer eigenen Kirche bekennen“, sagte der Fraktionschef.

Die Überzeugung, dass der Logos vor dem Ethos komme, durchziehe das gesamte theologische Denken des emeritierten Papst Benedikt XVI., betonte Gastredner Erzbischof Georg Gänswein. Das gelte auch für politisches Handeln. Christen sollten in Verantwortung die Gesellschaft mitgestalten. Der Titel der Sozialenzyklika Caritas in veritate, das umgekehrte Wort aus dem Epheserbrief von der Wahrheit in der Liebe, verweise auf die ganzheitliche Entwicklung des Menschen in der Liebe und in der Wahrheit, betonte sein Sekretär.

Benedikt habe damit die doppelte Erkenntnisordnung betont: Glaube und Vernunft. „Die Christen sind nicht nur mit einer Marginalisierung des christlichen Glaubens im öffentlichen Leben konfrontiert, sondern auch mit der Marginalisierung der Vernunft in ihrer Erscheinungsform des natürlichen Sittengesetzes“, fuhr Gänswein fort. Heute geltende Bestimmungen stünden der christlichen Vorstellung von Gerechtigkeit in der Gesellschaft teilweise diametral entgegen.

Der Papst wollte zeigen, dass die Kirche keine Form politischer Macht über den Staat und die Gesellschaft beanspruche, sondern ihren Dienst am Menschen und am Gemeinwohl anbiete. Die katholische Tradition gründe das Recht auf Vernunft. Die Kirche habe dem Staat nie eine Rechtsordnung vorgegeben.

Die Kirche könne aber eine Privatisierung des christlichen Glaubens nicht akzeptieren. Vielmehr gelte: „Es ist die Stunde der katholischen Laien. Sie sind aufgerufen, die sich im freiheitlichen Rechtsstaat eröffnenden Möglichkeiten der Partizipation zu ergreifen.“ Die Kirche könne keine technischen Lösungen anbieten. „Sie hat aber zu allen Zeiten und unter allen Gegebenheiten eine Sendung der Wahrheit zu erfüllen, für eine Gesellschaft, die dem Menschen in seiner Würde und seiner Berufung gerecht wird“, zitierte der Erzbischof den emeritierten Papst. Die soziale Frage sei in radikaler Weise zu einer anthropologischen Frage geworden. Die Erkenntnis über das Gute müsse der Staat nicht aus sich heraus gewinnen. Vielmehr bedürfe es einer durch den Glauben gereinigten Vernunft.

Als „eine Rede, die in die Geschichte eingegangen ist“, hat der Vizepräsident des Deutschen Bundestags Johannes Singhammer (CSU) die Ansprache des emeritierten Papstes vor dem Hohen Haus vor vier Jahren genannt. An das leidenschaftliche Plädoyer für ein „hörendes Herz“ der Volksvertreter in der demokratischen Institution sowie andere Reden zur Politik erinnerte am Mittwoch und am Donnerstag ein Symposium in Berlin. Die Joseph Ratzinger –  Papst Benedikt XVI. – Stiftung hatte dazu eingeladen, am ersten Tag zusammen mit Singhammer und dem Vorsitzenden der CDU/CSU-Fraktion Volker Kauder.

Für den Bundestagsvizepräsidenten müssen Gesetze dem jüdisch-christlichen Menschenbild standhalten: Eine der entscheidenden Ursachen für die aktuelle Flucht von Millionen Menschen sei die Abwesenheit von Recht und Gesetz. Es sei daher notwendig, sorgsam mit dem Recht umzugehen. „Es wäre kurzsichtig, wenn wir uns nicht an diese Wurzeln halten würden“, sagte Singhammer am Mittwochabend im Reichstagsgebäude. Nur mit der Rückbesinnung auf dieselben könnten politische Entscheidungen gelingen.

Wegen seines Einsatzes für die Religionsfreiheit ist Volker Kauder, obwohl evangelischer Christ, Träger des päpstlichen Gregoriusordens. „Der Papst hat davor gewarnt, allein positivistisches Denken zur Grundlage unserer Arbeit zu machen“, erinnerte er an die Naturrechtsrede des deutschen Papstes. Wenn Zusammenleben und Integration hierzulande gelingen solle, müsse gerade auch an der Rechtsordnung mit Bedacht gearbeitet werden. Abzulehnen sei die Forderung, die Religionen als Streitpunkt in den privaten Bereich zu verschieben.

„Es hat keinen Sinn zu glauben, wenn man den eigenen Glauben bekämpft hat, habe der andere viel mehr Respekt.“ In islamischen Ländern, wo er regelmäßig die Christen besuche, habe die Religion noch einen höheren Stellenwert als in Europa. Er könne nicht kritisieren, wenn Muslime in großer Zahl und treu jeden Freitag zum Gebet in die Moschee gehen. „Ich kann mich nur wundern, dass sich Christen so wenig zu ihrer eigenen Kirche bekennen“, sagte der Fraktionschef.

Die Überzeugung, dass der Logos vor dem Ethos komme, durchziehe das gesamte theologische Denken des emeritierten Papst Benedikt XVI., betonte Gastredner Erzbischof Georg Gänswein. Das gelte auch für politisches Handeln. Christen sollten in Verantwortung die Gesellschaft mitgestalten. Der Titel der Sozialenzyklika Caritas in veritate, das umgekehrte Wort aus dem Epheserbrief von der Wahrheit in der Liebe, verweise auf die ganzheitliche Entwicklung des Menschen in der Liebe und in der Wahrheit, betonte sein Sekretär.

Benedikt habe damit die doppelte Erkenntnisordnung betont: Glaube und Vernunft. „Die Christen sind nicht nur mit einer Marginalisierung des christlichen Glaubens im öffentlichen Leben konfrontiert, sondern auch mit der Marginalisierung der Vernunft in ihrer Erscheinungsform des natürlichen Sittengesetzes“, fuhr Gänswein fort. Heute geltende Bestimmungen stünden der christlichen Vorstellung von Gerechtigkeit in der Gesellschaft teilweise diametral entgegen.

Der Papst wollte zeigen, dass die Kirche keine Form politischer Macht über den Staat und die Gesellschaft beanspruche, sondern ihren Dienst am Menschen und am Gemeinwohl anbiete. Die katholische Tradition gründe das Recht auf Vernunft. Die Kirche habe dem Staat nie eine Rechtsordnung vorgegeben.

Die Kirche könne aber eine Privatisierung des christlichen Glaubens nicht akzeptieren. Vielmehr gelte: „Es ist die Stunde der katholischen Laien. Sie sind aufgerufen, die sich im freiheitlichen Rechtsstaat eröffnenden Möglichkeiten der Partizipation zu ergreifen.“ Die Kirche könne keine technischen Lösungen anbieten. „Sie hat aber zu allen Zeiten und unter allen Gegebenheiten eine Sendung der Wahrheit zu erfüllen, für eine Gesellschaft, die dem Menschen in seiner Würde und seiner Berufung gerecht wird“, zitierte der Erzbischof den emeritierten Papst. Die soziale Frage sei in radikaler Weise zu einer anthropologischen Frage geworden. Die Erkenntnis über das Gute müsse der Staat nicht aus sich heraus gewinnen. Vielmehr bedürfe es einer durch den Glauben gereinigten Vernunft.

 

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