Türkei bombardiert christliches Dorf

Kampf gegen PKK liefert Anlass

BAGDAD, 20. Januar 2016 (Vaticanista/ZENIT.org).- Türkische Truppen haben in der Nacht vom 16. auf den 17. Januar das irakische Dorf Sharanish in der Nähe von Dohuk angegriffen. In der Ortschaft leben chaldäische Christen und Assyrer. Die Bombardierungen haben Panik unter der Bevölkerung ausgelöst, die mitten in der Nacht durch Schnee und klirrender Kälte in die Stadt Zakho flohen. Der Patriarch der Chaldäer, Louis Raphael I. Sako, verurteilte die türkische Militäraktion durch seine offiziellen Kanäle und nannte den Angriff „völlig ungerechtfertigt“.

Er appellierte an die Regierung des autonomen irakischen Kurdistans, „die erforderlichen Maßnahmen“ zu ergreifen, um seine Bürger zu verteidigen. Der Angriff wurde unter dem Vorwand des Kampfes gegen die Stellungen der kurdischen PKK (Partiya Karkerên Kurdistan, Kurdische Arbeiterpartei) geführt. Die Protestnote des chaldäischen Patriarchats erging an die türkische Botschaft in Bagdad.

In den achtziger Jahren wurde die Stadt vollständig von der irakischen Armee im Verlauf von gegen die Kurden durchgeführten Feldzügen verwüstet. Nach dem Ende des Regimes von Saddam Hussein zog vor allem christliche Bevölkerung in dieses Dorf, um der Gewalt in den Gebieten von Bagdad und Mossul zu entkommen. Das Dorf ist auch Heimat von Dutzenden von christlichen Familien geworden, die im Jahr 2014 aus der Ninive-Ebene vor dem Vormarsch des selbsternannten Islamischen Staates flohen. Bereits im August letzten Jahres waren Sharanish und andere Dörfer der Kandil-Berge, die von Christen bewohnt waren, zum Ziel von Luftangriffen während der militärischen Operationen gegen die PKK geworden. (mk)

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