Abkommen des Heiligen Stuhls mit Osttimor in Kraft getreten

Osttimors Regierungschef in Audienz bei Papst Franziskus
Von Michaela Koller
ROM, 7. März 2016 (Vaticanista/ZENIT.org).- Papst Franziskus hat am Donnerstag den Premierminister von Osttimor, Rui Maria de Araújo, empfangen. Im Anschluss traf der Regierungschef Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin sowie Unterstaatssekretär Antoine Camilleri. Die Gespräche seien herzlich verlaufen,  hieß es in einer Erklärung des Presseamtes des Heiligen Stuhls. Sie sprachen nicht nur über die guten Beziehungen beider Seiten zueinander, sondern auch über den historischen Beitrag der katholischen Kirche beim Aufbau der Nation und im Bereich Bildung und Kampf gegen die Armut. Kardinal Parolin und Regierungschef Araújo ratifizierten das Abkommen über die Grundlagen der Beziehungen zwischen Osttimor und dem Heiligen Stuhl.
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Das Abkommen war am 14. August vorigen Jahres anlässlich seines Besuchs in dem südostasiatischen Land im Rahmen der 500-Jahr-Feier zum Gedenken an die erste Ankunft von christlichen Missionaren auf der Insel unterzeichnet worden. Der Kardinalstaatssekretär war der ranghöchste Vertreter der Kirche, der die ehemalige portugiesische Kolonie seit ihrer Unabhängigkeit am 20. Mai 2002 besuchte.
Der Weg dorthin war steinig: Knapp drei Jahre zuvor, am 30. August 1999, entschied sich die Bevölkerung in einem Referendum für die Loslösung von Indonesien, zu dem das Land seit 1975 gehörte. Über drei Viertel sprach sich für die Unabhängigkeit aus. Danach erreichte die Gewalt, die sich durch die gesamte Besatzungszeit hindurch zog, einen Höhepunkt. Die Armee und die Zivilverwaltung der Indonesier unterstützten dabei Milizen, die in ihrem Interesse mordeten und zerstörten. Rund 2000 Menschen kamen ums Leben, mehr als 200 000 Osttimoresen wurden vertrieben.
Der Besuch Papst Johannes Pauls II. am 12. Oktober 1989, als einziges Staatsbesuch überhaupt während der Besatzungszeit, stellte einen Meilenstein auf dem Weg zur Unabhängigkeit dar. Studentische Aktivisten nutzten die Gunst der Stunde im Licht der Öffentlichkeit, um für die Freiheit zu werben. Eine der Schlüsselfiguren auf dem Weg zur Unabhängigkeit war Bischof Carlos Felipe Ximenes Belo, der 1996 den Friedensnobelpreis erhielt. Der Anteil der Katholiken stieg während der indonesischen Besatzungszeit von anfangs 30 Prozent im Jahr 1975 auf mehr als 90 Prozent im Jahr 1999, als die Besatzung endete. Der besonderen Rolle der katholischen Kirche wird in dem Abkommen Rechnung getragen.

 

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