Zweiter katholischer Flüchtlingsgipfel in Frankfurt

Frischzellenkur für die Gemeinden

FRANKFURT, 4. Oktober 2016 (Vaticanista/ZENIT.org).- Mehr als 200.000 Menschen engagieren sich in den beiden großen Kirchen in Deutschland für Flüchtlinge. „Wir sind alle miteinander dankbar dafür, was diese Menschen dort tun“, hat der Sonderbeauftragte für Flüchtlingsfragen der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Stefan Heße, am Donnerstag zum Auftakt des zweiten katholischen Flüchtlingsgipfels in Frankfurt am Main gesagt. Die Engagierten wirkten in allen Bereichen des kirchlichen Lebens. Rund 6.000 Hauptamtliche sind für die Menschen zuständig, die ihre Heimat hinter sich lassen mussten, um in Sicherheit weiterleben zu können.

Rund 200 Akteure aus 27 Diözesen waren zu dem Vernetzungstreffen zusammen gekommen, um sich mit dem Schwerpunktthema Integration auseinanderzusetzen. Nach einem Impulsvortrag von Uwe Hunger von der Universität Münster über den Beitrag von Kirche und Zivilgesellschaft  zur Integration beschäftigten sich die Teilnehmer, Vertreter etwa von Diözesen, Bildungseinrichtungen und Orden, mit der Frage nach der Qualifizierung von Flüchtlingen für den Arbeitsmarkt, der Verfügbarkeit von Wohnraum, der besonderen Seelsorge für sie sowie mit der Frage, welche Werte und Normen ein pluralistisches Gemeinwesen zusammenhalten.

„Wer die christliche Prägung unserer Gesellschaft nur deshalb hochhält, um Menschen anderer Herkunft und Religion auszuschließen, entwertet das Christentum.“, warnte der Hamburger Erzbischof.

Weder die Festlegung von Obergrenzen noch die Einschränkung der Religionsfreiheit könnten als geeignete Antworten gelten. Solche Forderungen lösten keine Probleme, sagte er. Die Personalität, die Würde des Menschen, sei nach katholischer Lehre der entscheidende Maßstab für das politische und gesellschaftliche Handeln. Die Kirche lege auch Wert auf die Einheit der Familie. „Wer die Zusammenführung weiter einschränkt, behindert die Integration“, sagte er. Er mahnte, die Debatte über die Integration sachlich und nüchtern zu führen.

Copyright: Kathrin Erbe

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Auf die Frage von ZENIT, ob auch die Situation Angehöriger religiöser Minderheiten in den deutschen Flüchtlingsunterkünften ein Thema auf dem Gipfel gewesen sei, sagte Heße: „Ja. Natürlich haben wir den Auftrag, uns um alle zu kümmern, auch dürfen wir dabei die Mitchristen nicht übersehen.“ Eine Umfrage, von der Bischofskonferenz initiiert, habe ergeben, das in einzelnen Fällen, nicht flächendeckend, Gewalt gegen Christen in den Heimen verübt werde. Wenn er Gemeinden besuche, stelle er fest, dass die christlichen Flüchtlinge Sorge haben, dass ihnen hierzulande dasselbe passiert wie in ihren Herkunftsländern. Die Präsenz von Christen aus 20 Riten stelle auch für die Seelsorge eine besondere Aufgabe dar. Gerade der Einsatz für Schutzbedürftige sei eine Herausforderung, der sich die Kirche stelle.

Das neue Integrationsgesetz sei nicht beim Gipfel besprochen worden. Gleichwohl gebe er zu bedenken, dass nicht genügend Integrationskurse eingerichtet worden seien, um den Bedarf nach dem neuen Gesetz zu decken. „Auf keinem Fall darf dem Asylbewerber ein Strick daraus gedreht werden, wenn er daran nicht teilnehmen kann.“ Die größte Herausforderung zur Integration sei derzeit der Mangel an Wohnraum. Die Integration sei aber ein mehrdimensionaler und langfristiger Prozess. Die Menschen, die schon lange in Deutschland lebten, seien nun auch aufgerufen, darüber nachzudenken, was die Gesellschaft zusammenhält. Schon die Aufnahme von bis zu 200.000 Menschen in einem einzigen Monat habe in vielen Gemeinden wie eine Frischzellenkur gewirkt. „Es kam neue Bewegung von den Rändern in die Mitte herein“, sagte Erzbischof Heße.

 

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