Im Zeichen des Kreuzes – geboren!

Christen im Heiligen Land Ägypten feiern Weihnachten

Von Monsignore Joachim Schroedel, Kairo

KAIRO, 6. Januar 2017 (Vaticanista).- Vor 85 Jahren wurde der Historienfilm „Im Zeichen des Kreuzes“ inszeniert und im November 1932 zum ersten Mal gezeigt. Der Film von Cecil B. DeMille mag eher ein Melodram sein, ähnlich wie seine anderen Filme „Die Zehn Gebote“ (1923) oder „König der Könige (1927). Doch scheinen gerade diese Filme in ihrer Dramatik und mit Darstellern, die bis heute unübertroffen sind (etwa Charles Laughton als Nero in „Zeichen des Kreuzes“), auf besondere Weise selbst junge Leute wieder anzuziehen.

„Im Zeichen des Kreuzes“ leben heute Millionen Christen in der Diaspora – unter Anders- oder Ungläubigen. Das Kreuz ist mehr denn je zum „Ärgernis“ geworden. Selbst in Deutschland, einem ehemals christlichen Land, das mit letzter Kraft in diesem Jahr des Reformators und Priesters Martin Luthers gedenkt, werden Kreuze abgehängt – in der Ideologie vermeintlicher Freiheit. Die Vorbereitung auf den 230. Gedenktag der französischen Revolution von 1789 ist schon absehbar. „Einheit, Freiheit und Brüderlichkeit“ treten an die Stelle von Gottesfurcht und Demut unter dem Willen Gottes.

Nicht so bei den koptischen Christen, die in Ägypten am 7. Januar das Fest der Geburt des Erlösers begehen, die mit 15 oder mehr Millionen im Land einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung stellen. Es scheint, mit der Beibehaltung des julianischen Kalenders haben diese Christen auch die ganze Kraft des Urchristentums beibehalten. Die Reform des Kalenders nach Gregor XIII. im Jahre 1582 wirkt offenbar wie die Einführung der Reformation – und damit des Abschieds – vom Glauben der Urkirche, vom Glauben der Märtyrer und anderer Getreuen.

Die orientalischen Kirchen behielten, obwohl diese von der Ungenauigkeit des julianischen Kalenders wussten, die alte Zeitrechnung bei. Und daher sind die nunmehr 13 Tage Unterschied zwischen den beiden Kalendern heute noch signifikant. Die Kirche Ägyptens bleibt als „Kirche des Kreuzes“ dieser Zählung ebenfalls treu.

Im „Zeichen des Kreuzes“ lebten die ersten Christen in höchster Bedrängnis und Todesnot. Dabei war Kaiser Nero bei weitem nicht der schlimmste Christenverfolger. Es war Kaiser Diokletian, der in Jahre 303 die größten Christenverfolgungen per Dekret anordnete. Der 29. August 284 ist der Beginn der koptischen Jahreszählung und das Jahr der Thronbesteigung Diokletians.

Dass Kreuz und Krippe nicht nur den gleichen Anfangsbuchstaben haben, sondern zutiefst miteinander theologisch und pastoral miteinander verbunden sind zeigt sich gerade in diesen Jahren besonders. Die „Kniset es Salib“ (Kirche des Kreuzes) lebt aus der unerschütterlichen Überzeugung, dass das Kreuz, einst Zeichen der Schande und des Todes, durch die Menschnwerdung des Gottessohnes zum „Zeichen des Lebens“ geworden ist. Zu Hilfe kommt ihnen dabei eine altägyptische Hieroglyphe, das Zeichen für „Anch“, „Leben“. Jedem Ägyptenreisenden ist dieses Zeichen schon begegnet, die Fremdenführer bezeichnen es oft auch als „Lebensschlüssel“. Ein kreuzförmiges Symbol, dessen oberes Ende in einem Oval besteht. Die ersten koptischen Kreuze waren eben  dieses „Anch“-Zeichen.

„Christus ist Leben“ – Diesen Ruf kann man auch in der Advents- und Weihnachtszeit hören. Die ägyptischen Christen und ganz Ägypten haben schwere Zeiten zu durchschreiten. Das Attentat vom 11. Dezember in einer Kirche unmittelbar bei der Residenz des Oberhauptes der koptisch-orthodoxen Christen mit vielen Toten und Verletzten ist äußeres und bislang letztes Ereignis des Hasses gegen die Christen in Ägypten.

Und natürlich herrschen Trauer und manchmal auch Verzweiflung. Doch in vielen Begegnungen mit koptischen Freunden wird mir klar – diese Christen stehen auf dem Fundament der Apostel! Sie sind noch „Urchristen“ mit dem Bewusstsein, dass Christentum nicht eine bequeme Variante des Lebens ist, sondern etwas abverlangt. Christen in Ägypten und im ganzen Nahen Osten wissen: Wir sind bedrängt von Menschen, die uns lieber heute als morgen ausgelöscht sähen. Doch es ist eben dieses Wissen, das Kraft gibt.

Am 7. Januar feiern die Christen Ägyptens das Fest der Geburt des Unbesiegbaren. Sein geschenktes Menschenleben gibt Kraft für ein bekennendes Christenleben. Das Wissen um die Kraft des menschgewordenen Gottessohnes besiegt, das ist meine Beobachtung aus Gesprächen der letzten Wochen, jede fundamentale Angst.

Es gibt somit durchaus eine Angst vor den nächsten Stunden. Familien haben Angst, Opfer blinder Gewalt zu werden. Die Christen Ägyptens befürchten, dass wieder Anschläge geschehen, gegen Kirchen, Familien oder Einzelne. Aber sie vertrauen anscheinend ebenfalls fest darauf, dass sie auch im Tode nicht verlassen sind. Die Geschichte der Kopten ist letztlich eine einzige Leidensgeschichte – von den Römern bis zur heutigen Bevölkerungsmehrheit „nicht gewollt“. Doch neulich sagte mir ein guter koptischer Freund: Wir sind von keinem Menschen gewollt, wir werden misshandelt und ermordet. Ja, wir teilen das Geschick des Sohnes Gottes! Sein Ende ist nur in den Augen der Welt der Tod; doch er hat den Tod besiegt. Mit Ihm gehen wir unseren Weg: Vom Tod zum Leben! Frohe Weihnachten!

 

 

 

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