Reisender Netzwerker für Menschenrechte: Der neue WEA-Generalsekretär Schirrmacher

Von Michaela Koller

BONN, 2. April 2021 (Vaticanista/ Die Tagespost).- Neuer Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA) ist seit einer Einführung am 27. Februar 2021 in Köln der Bonner Theologe und Religionswissenschaftler Bischof Thomas Schirrmacher. Er vertritt damit 600 Millionen Protestanten. Auch wenn diese Nachrichten nicht auf den Titelseiten der Gazetten zu finden ist: Die WEA ist immerhin nach der katholischen Kirche die zweitgrößte religiöse Organisation der Welt. Seit 2016 ist Schirrmacher Sonderbischof für die „Communio messianica“, einer Gemeinschaft besonders für Konvertiten.

Bei ökumenischen Treffen darf Thomas Schirrmacher, Papst Franziskus künftig auf Augenhöhe begegnen, obschon dies an ihrem Umgang miteinander wohl nichts ändern wird: Die beiden Oberhäupter trafen bereits dutzendfach zusammen und telefonieren auch miteinander. Die Evangelische Allianz ist flach-hierarchisch aufgebaut und Teilgemeinschaften genießen größtmögliche Unabhängigkeit. Die überwiegende Mehrheit der Christen unter diesem Dach lebt in der südlichen Hemisphäre.

Schirrmacher entstammt einer Gelehrtendynastie. Der Historiker Friedrich Wilhelm Schirrmacher war sein Urgroßvater, sein Vater Bernd Schirrmacher, Nachrichtentechnik-Professor war im Vorstand einer Missionsgesellschaft und Pionier der evangelikalen Schulbewegung. Thomas Schirrmacher studierte in der Schweiz und in den Niederlanden, wo er erstmals 1985 promovierte. Nach einer Doktorarbeit in den USA und ersten Ehrendoktorwürden, erfolgte noch 2007 im Fachgebiet der Religionswissenschaft eine Dissertation über „Hitlers Kriegsreligion“ in Bonn. Seine Lehrtätigkeit begann Schirrmacher bereits 1983, die er an Akademien und Universitäten in Deutschland, den USA, Brasilien und Rumänien ausübte.

Rund 100 Bücher tragen seinen Namen auf der Titelseite, als Autor oder Herausgeber. Unter seinen Werken sind zahlreiche Fachbücher zu spezifischen Menschenrechtsthemen wie Religionsfreiheit, Christenverfolgung und Menschenhandel, Anliegen, für die er bereits als langjähriger WEA-Vize-Generalsekretär Bündnisse mit hohen Repräsentanten von Religionsgemeinschaften und Regierungsvertretern knüpfen konnte. Als reisender Netzwerker für Menschenrechte wurde der erste Deutsche in diesem Amt international bekannt und seine Wahl im vergangenen Herbst erfolgte für Beobachter nicht überraschend.

Artikel drucken

Dieser Beitrag wurde unter Religionsfreiheit - Menschenwürde abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.